Glaubensfrage Amazon ?

Beim Stichwort “Amazon” spalten sich die Meinungen. Die einen sehen in Amazon den Inbegriff von Service und Bequemlichkeit. Die anderen befürchten, wegen Amazon werden unsere Innenstädte mit immer weniger Geschäften bestückt. Dadurch werden die Innenstädte unattraktiver und Gewerbesteuern bleiben aus. Ich kann beide Sichtweisen verstehen. Aber meine persönliche Erfahrung mit Amazon sagt das der Service wirklich hervorragend ist und das Paket schnell den Weg zu mir findet. Und der treue Paketfahrer bekommt, sozusagen zur Stärkung, Kaffee und Kuchen. Wenn wirklich mal etwas schief geht, hilft der Amazon Kundendienst schnell und kompetent. In meiner kleinen Stadt sind schon kleinste Besorgungen mit grossen Wegen verbunden. Wenn man dann nicht mehr ganz so mobil ist, kann es sehr anstrengend werden. Und vieles bekommt man einfach in einer kleinen Stadt nicht (mehr). Es gibt keine Buchhandlung mehr und auch keinen wirklich guten Elektroladen. Die Fahrt zur nächsten Stadt ist ziemlich anstrengend für mich. Also bestelle ich gleich beim Amazon. Dort bekommt man sprichwörtlich alles. Ja, der Grenzgänger ist bequem (geworden).

Gedenk-Tage – Gedenk-F^ete

Kürzlich war ne Party im KZ Ravensbrück…

Von Ramona Ambs

Die neuen Deutschen haben die alten Juden und andere Restüberlebende eingeladen. Und dann noch ein paar wichtige Leute. Befreiung feiern oder so ähnlich lautete das Motto. Und es war auch echt ne coole Sause. Zumindest für die eingeladene Politprominenz. Die haben nämlich mittags in diesem „Zelt der Demütigung“… äh, neee, Moment, das hieß anders… ich guck nochmal nach, ah ja: im „Zelt der Begegnung“, da haben die lecker Essen gekriegt. Mit Porzellangeschirr, Tischdecken und Bedienung! Sehr stilvoll – die Chabos von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wissen nämlich, wer der Babo ist: die Politiker nämlich. Deswegen wurden die auch voll fett verehrt und so.

Die Überlebenden haben aber auch was zu essen bekommen. Man will ja nicht so sein. War zwar nicht koscher, aber immerhin mit Fleisch. Schon mal besser als früher. Und mit ner hübschen Essensmarke, aber ohne Tischdecke und ohne Bedienung, aber dafür im Plastiknapf. Wegen Anknüpfung und so.

Das Anstehen an der Essensausgabe mit den Rollatoren war vermutlich als Partyhighlight gedacht: Survival of the Fittest! Schließlich muss man alte Menschen ja auch immer ein bisschen fordern. Und so ne Party ist ja auch ein Happening! Das verpflichtet zu originellen Ideen. Nu, und dass man das Fleisch mit den Plastikgabeln nicht aufspießen konnte – come on, das ist doch kein Ding, ey! So läuft das nun mal, wenn man bei ner Stiftung „im Mittelpunkt steht“ und mit „Würde und Respekt“ empfangen wird.

In zehn Jahren, wenn die nächste Jubiläumsparty ansteht, lassen sich die Veranstalter bestimmt wieder was Neues einfallen… Vielleicht ein Gemeinschaftsspiel: Reise nach Jerusalem oder sonst so ne Stuhlpolka. Wird bestimmt wieder ganz toll!

EU Kommission entdeckt Islamismus

Ich bin zutiefst gerührt. Die EU Kommission (ja richtig, die in Brüssel) entdeckt das es in Europa Terrorismus gibt. Sogar islamistischen Terrorismus. Unglaublich, das diese Nsachricht, in so kurzer Zeit, bis nach Brüssel vorgedrungen ist. Paris, Madrid und London waren nur eingebildete Medienhypes. Die angeblichen Toten waren nur Schauspieler und sind, nachdem die TV Teams abgezogen sind wieder aufgestanden und haben, nach anstrengender Arbeit, fröhlich die Nacht durchgezecht. Die EU Kommission will nun sogar ein Zentrum zum Informationsaustausch bei Europol einrichten. Das dient dann der Vermittlung von Schauspielern beim nächsten Medienspektakel und der gemeinschaftlichen Nachbesprechung. Ach, wie sind die Brüsseler Bürokraten kreativ. Nicht zu glauben. Aber wahr. Langsam kann ich der EU doch etwas positives abgewinnen.

Hypermoral ?

MEINUNG

MITTELMEER

26.04.15

Hypermoral hilft den Flüchtlingen nicht

Das Herz ist groß, die Problemlage aber hochkomplex: Wie kann Politik pragmatisch humanitär sein angesichts so vieler Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen?

Von Sascha Lehnartz

Plötzlich hüpfte dieser aufgeregte Mann im Kapuzenpulli auf die Bühne und sagte, Deutschland müsse jetzt eine Gedenkminute für die toten Flüchtlinge einlegen, und zwar hier, jetzt, live im Fernsehen bei Günther Jauch und zwar bitte zackig.

Heribert Prantl ging respektvoll in betroffene Habachtstellung, Roger Köppel mahlte eine Minute lang missmutig mit dem Unterkiefer, Günther Jauch war sichtbar überrumpelt, dass der Seenotrettungsautodidakt Harald Höppner hier seine Sendung kaperte und deren Gäste moralisch erpresste, besaß aber die Geistesgegenwart, den Ethikpiraten darauf hinzuweisen, dass es sich nicht schicke, während der Gedenkminute auf die Uhr zu blicken.

(…)

Lesesucht – Teil 3

verblendung

Um ehrlich zu sein wollte ich Buch, angesichts des Covers, schon wieder aus der Hand legen. Ich mag keine oberflächlichen Romane, in denen es bloss um Action geht. Ein bisschen Handlung kann durchaus hilfreich sein. Doch das Buch mit dem schrecklich klischeehaften Cover und dem schrecklich klischeehaften Titel hält mehr als zu befürchten ist.Die Handlung findet ihr hier. Abgekupfert. Aber ich muss das Rad nicht ständig neu erfinden.

Sicherlich ist “Verblendung” bisher nicht das beste, was ich bisher gelesen habe. Es ist annehmbar, zeitweise langatmig, zeitweise spannend. Lisbeth Salander ist eine tolle Romanfigur, mit ihrer Rachsucht, aber auch mit “wildem”  Aussehen. Einerseits anorektisch, andererseits mit Tattoos und Piercings geschmückt. Salander ist unbequem, unzuverlässig, direkt, ohne gute Schulbildung. Und doch ist Salander zielstrebig, direkt, und bemerkenswert emotionslos. Larsson hat es geschafft, eine eindrucksvolle Romanfigur zu schaffen. Und das in einem, nach meinem Empfinden, eher mittelmässigen Roman.

“Verblendung” wurde auch verfilmt. Ich werde mir den Film nicht ansehen. Vermutlich ist der Film schlechter als das Buch. Nicht mehr mittelmässig, sondern reisserisch.

Lesesucht – Teil 2

Über die Bücher von Mira Magen gehen die Meinungen weit auseinander. Ehrlich gesagt bin ich kein grosser Freund dieser Literatur. Die Handlung, die Schreibweise, überhaupt die Geschichten von Mira Magen, sind mir oftmals viel zu oberflächlich. Die Bücher erinnern mich an zweitklassige Liebesromane auf dem Tisch für Sonderangebote. Das Buch “Schmetterlinge im Regen”, aus dem Jahre 2007, unterscheidet sich von den Büchern, die ich bisher von Mira Magen gelesen habe. Es geht in diesem Roman um grosse menschliche Gefühle wie “Sehnsucht, Wut, Bewunderung, Trauer und Angst”, aber auch um die Lebensgeschichte zweier Menschen: Sohn und Tochter. Und diese Geschichte ist keine einfache. Sie ist auch geprägt von Verletzungen und dem Gefühl, alleine gelassen worden zu sein. Ich denke über das eigene Gefühl, meiner Mutter gegenüber, nach. Auch da finden sich unterschiedliche Gefühle, von Liebe bis Hass. Und ich bin ein wirkliches Kind meiner Mutter. Mein Vater spielte immer nur eine untergeordnete Rolle. Oft habe ich bedauert, das es einen Vater gegeben haben muss, sozusagen als Erzeuger, als dümmlichen Weiter-Erzeuger einer Familiengeschichte, die mich schaudern lässt. Vielleicht geht es euch ähnlich wenn ihr “Schmetterlinge im Regen” lest ? Ich bin mir ziemlich sicher, das bei Euch ein Nachdenken einsetzen wird. Nachdenken über die Mutter, Nachdenken über die Familiengeschichte, Nachdenken über zurückliegende Verletzungen und deren Verarbeitung.

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