Danke, es geht mir gut …

Aber angesichts dessen, was sich in der Welt abspielt, bin ich müde und traurig. Deshalb weiss ich auch nicht so recht, was ich bloggen soll. Es fehlen mir einfach die Worte. Und Beileidsbekundungen sind so hohl. Worte helfen da nicht weiter.

Mir geht es wie so vielen Bloggern, die in der letzten Zeit aufgegeben haben. Gegen Windmühlen zu kämpfen, gelingt nur eine bestimmte Zeit.

So habe ich mich vorerst auf das Twittern, das Facebooken, der Google+ teilen verlegt.Twitter ist wirklich ein Phänomen. Früher wurde der Dienst von mir höchstens belächelt. Heute ist Twitter die Plattform für News ausserhalb der Nachrichten.

Wenn hier als Ruhe herrscht, ist das kein Grund zur Aufregung. Es wird alles gut werden. Irgendwie. Zu einer anderen Zeit. Und dann blogge ich auch wieder öfters.

Versprochen.

10.000 Schritte für Körper und Seele

Der Grenzgänger ist ein absoluter Sportmuffel.

Menschen in Sportstudios, auch die Werbung für Sportstudios, lösen beim Grenzgänger keine positiven Gefühle aus.

Aber es gibt eine Alternative: Täglich 10.000 Schritte laufen. Nicht rennen, nicht joggen, einfach nur laufen. Täglich 30 Minuten reichen völlig aus.

Seitdem ich die Zeit in meinen Terminkalender eingebaut habe, brauche ich auch weniger Medikamente gegen die Depression. Das Medikament Elontril konnte ich vollständig absetzen. 25 mg Lamontrigin am Morgen brauche ich ebenfalls nicht mehr. Durch das tägliche Laufen fühle ich mich körperlich und seelisch wohler. Und Geist sowie Seele sind insgesamt wacher. Medikamente abzusetzen oder zu reduzieren kann nie schaden. Leber und Nieren bedanken sich freundlich. Auch das Gewicht bedankt sich.

Seitdem ich meine Ernährung umgestellt habe (weniger Zucker, weniger Essen am Abend, Naschen nach dem Abendessen ist verboten) geht das Gewicht nach unten. Und der Grenzgänger hungert nicht. Es gibt immer noch gutes Essen. Der Grenzgänger lebt noch immer seine Leidenschaft für „KK“ aus. Kuchen und Käse.

Gestrichen habe ich mein tägliches Liter Sinalco (es waren manchmal auch mehr). In den ersten Tagen hat sich der Körper beschwert. Gerade Zucker ist eben auch eine Kopfsache. Zucker als „Sucht“ zu bezeichnen scheint mir doch weit hergeholt. Jedenfalls hat der Kopf (und der Körper) nach ein paar Tagen nicht mehr nach flüssigem Zucker verlangt.

Die 30 Minuten laufen können gut eingeplant werden. Am besten nach dem Mittagessen. Aber auch zu jeder anderen Uhrzeit. Wären diese 30 Minuten ein Ersatz für die Glotze ? OK, der Grenzänger hat schon seit Jahren keine Glotze mehr. Und vermisst das Teil absolut nicht.

Eine Hilfe beim Gehen (bei den 10.000 Schritten) ist ein Schrittzähler. Ich habe das Modell der Deutschen Herzstiftung gewählt. Da wird noch eine tolle Software mitgeliefert. So kann man den eigenen Lauferfolg auch ganz visuell sehen. Für Sportmuffel wie den Grenzgänger ist das hilfreich. Genug zum Thema geschrieben.

Anfangen muss jede/r selbst. Aber 10.000 Schritte helfen, Kopf, Seele und Körper frei zu bekommen. Und Bewegung ist sicherlich besser als Medikamente.

(Der Grenzgänger weiss aus eigener Erfahrung natürlich, das Laufen in den Tiefen einer Depression kaum möglich ist. Da muss ein Mensch erst wieder Land sehen.)

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Vollmachten, Ärzte, Sterben

Endlich habe ich es getan. Lange schon habe ich den Gedanken vor mir hergeschoben, eine Vorsorgevollmacht und eine Patiententenverfügung auszufüllen. Der hiesige Hospizverein bietet eine Beratung an, die ich nun endlich in Anspruch genommen habe.

Der Gedanke daran, nicht mehr selbst über das eigene Leben entscheiden zu können, ist schwer zu ertragen. Und doch ahnen wir, dass dieser Zeitpunkt schneller kommen könnte als man fürchtet. Ein Unfall, ein Sturz, eine schnell fortschreitende Krankheit, auch eine langsamer fortschreitende Erkrankung wie eine Demenz können es unmöglich machen, diese Verfügungen zu unterzeichnen. Denn um diese Verfügungen zu unterzeichnen, muss Mensch noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein.

Einen Ausweis zur Organspende trage ich schon lange mit mir herum. Ich weiss, das Organspende, aus religiöser Sicht, durchaus problematisch sein kann. Und doch habe ich mich dazu entschlossen. Die Möglichkeit, einem Menschen das Weiterleben zu ermöglichen, ist mir wichtiger als alle Bedenken.

So kann ich nun in grosser Ruhe annehmen, was kommen soll. Ich weiss, dass mein Leben, von der Geburt bis zum Tode, nicht in meiner Hand liegt. Auch nicht in der Hand von Ärzten und Maschinen. Ich bin mir sicher, nein: ich habe die Zuversicht, dass mein Leben alleine in der Hand des gütigen Herrn liegt.

Notwendige Klärungen stehen dem nicht im Wege. Letzte Sicherheit aber gibt es auf Erden, mit Menschen, nicht.

Nein, der Tod ist kein schrecklicher Gedanke. Der Tod ist einfach ein g“ettlicher Übergang in ein besseres Leben.

Wovor sollte ich mich fürchten ?

Das Mittelmeer als Massengrab

Ich mag die Länder rund um das Mittelmeer, Es gibt Sonnenschein, eine ruhigere Lebensart, lecker, mediterranes Essen, das nicht nur sehr lecker, sondern auch sehr gesund ist.

Aber die Freude wird getrübt. Immer wieder Geschehen Unglücke einer Grössenordnung, die sprachlos macht. Schiffe versinken, gemeinsam mit Menschen, deren einziges Verbrechen es ist, nach Europa kommen zu wollen. Warum ? Weil sie vor Krieg und Terror flüchten, der massgeblich mit Waffen aus Deutschland ausgeführt wird. Die Rüstungskonzerne verdienen sehr gut daran. Am Aussenhandelsgesetz können sich die Flüchtlinge bestenfalls den Arsch abputzen (um es mal so deutlich zu schreiben.)

900 Tote alleine in der letzten Woche. Und es werden noch Tausende dazukommen. Für die Medien ist das bestenfalls ein Aufmacher für ein paar Stunden. So kommt es, dass auch die neueste Tragödie schnell wieder vergessen wird. Wen interessieren schon Tausende Tote im Mittelmeer ? Wir lassen uns doch die Urlaubsfreude nicht verderben. Es ist zum Kotzen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich werde jedenfalls nie mehr ohne Bilder wie diese ans Mittelmeer fahren können. Mein Gewissen lässt sich einfach nicht ausschalten.

Schlimmer denn je ?

Es Unwettert. Wenn ich aus dem Fenster meines Büros blicke, knallen Wassermassen auf die Dächer, wie ich es noch nie (?) gesehen habe. Wenn die Wassermassen zu hören sind, bedeutet das eines: Es regnet nicht, es schüttet. „Unwetter“ ist da wohl freundlich ausgedrückt. Aber natürlich haben die vermehrten Unwetter nichts mit dem Klimawandel zu tun. Alles Zufälle, irgendwie. Wann werden die Menschen begreifen, dass der Klimawandel Realität ist. Dass die Unmengen an Wasser, die derzeit herunterkommen, kein Zufall sind ? Dass es jetzt höchste Zeit ist, endlich gegen den Klimawandel aktiv zu werden. Das Zeitfenster ist nicht gross. Die Aussicht, dass Menschen ihr Verhalten ändern, ist auch nicht gross. Es sieht nicht gut aus für unser einziges Zuhause. Und auch nicht für Generationen, die nach uns kommen. Weil sich Verhalten nicht ändert. Wie, Verdrängung einfacher ist. Bis zum Untergang.

Zwei Leben leben

Es ist wirklich schwierig und kräfte raubend zwei Leben zu leben. Da sind das eigene Leben und das Leben des erkrankten Familienmitgliedes. Und das eigene Leben kommt viel zu kurz-

Da mein Vater nicht sehr selbstständig ist, was die Suche nach Informationen angeht, erst recht nicht im Internet, und meine Mutter irgendwie versucht, das Ganze zu verdrängen (aus Angst ?) ist es nun meine Aufgabe, Informationen zu suchen.

Nun gut, es ist mein Vater. Auch wenn ich ihn mehr als meinen Erzeuger betrachte. Es gibt Unglücke, die sich nicht vermeiden lassen.

Aber trotzdem komme ich nicht vom Thema los. Es ist immer meine Art, auf Diagnosen mit dem Sammeln von Informationen (und dem immer neuen Sammeln von Informationen) zu reagieren. Versuchen, mit Diagnosen umzugehen. Wie sagte meine Psychiaterin so schon; „Sie sind völlig verkopft“. Ich glaube, da ist was dran.

Durch diese Verkopfung versuche ich, schlechte Gefühle in Grenzen zu halten. Gefühle können gefährlich sein, wenn man nicht gelernt hat, damit umzugehen. Stichwort Ritzen/Borderline. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, bekommt der Titel dieses Weblogs noch einmal eine andere Bedeutung. Beabsichtigt war das nicht. Aber Zufall ist das eigentlich auch ist. Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass es keine Zufälle gibt. Weder gute noch schlechte. Irgendwie, das ist meine Erkenntnis, ist alles in unserem Schicksal festgeschrieben. Beruhigend und Erschreckend zugleich.

Und es wird Zeit, endlich einmal die Familentherapie anzugehen. Da sind so viele Schmerzen. So viele offene Wunden. Meine Familie versteht wenig davon. Aber materielle Sicherheit ist eben nicht alles. Wenn Gefühle Tabu sind, ist ein sicheres Aufwachsen kaum möglich. Eine emotionale Hygiene übrigens auch nicht.

In Anbetracht unserer Erkrankungen kann Seelsorge, kann geistige Nahrung, so unendlich wichtig sein. Und doch lehnt mein Vater genau das ab. Er kommt schon selber klar. Meint er.

Morgen ist ein Termin in einer onkologischen Praxis. Die Bestrahlung, verbunden mit Chemo, soll die Zellen daran hindern, sich weiter zu teilen. Gleichzeitig sollen die gesunden Zellen wieder das Kommando übernehmen. Diese Bestrahlung wird nicht am ganzen Körper, sondern nur an den betroffenen Gebieten eingesetzt werden. So soll der Tumor schrumpfen und damit leichter operabel sein. Angeblich soll diese Behandlung mit weniger Nebenwirkungen verbunden sein als eine Bestrahlung/Chemo am ganzen Körper.

Nun, ich lerne auch wieder durch diese Sache. Und ich habe Hoffnung, dass mein Vater diesen Krebs, übersteht. Eigentlich war mein Vater noch nie wirklich krank. Das kann vorteilhaft sein, was die Konstitution angeht. Es kann aber auch negativ sein, was den Umgang mit einer Krankheit angeht. Irgendwie ist mein Vater schon „pflegeleichter“ geworden, irgendwie. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen, wird sich zeigen müssen.