„Der Tod kann mich mal“

Der Tod kann mich mal.“ Ein Buch, das mir in unserer kleinen Buchhandlung sofort „ins Auge gesprungen“ ist. Kira Brück, von der ich, in diesem Zusammenhang, das erste Mal gelesen habe, hat 12 schwer kranke Jugendliche interviewt und deren Geschichte aufgeschrieben. Diese Interviews bilden, neben Gesprächen mit „Spezialisten“ dieser Thematik (Mediziner, Eltern) das besprochene Buch.

Wobei die erkrankten Kinder nicht nur Spezialisten in eigener Sache sind, sondern auch Helden in eigener Sache. Die Interviews sind ehrlich. Ohne etwas zu beschönigen, aber auch ohne Lachen, Musik hören, Freundschaften schliessen, auf der Station, nicht auslassen.

Aber es kommen auch Enttäuschungen zu Wort, zum Beispiel das Zurückziehen von Freunden, das Ende von Beziehungen wegen der Krankheit.

Laura, erst 17 Jahre alt, an Lymphknotenkrebs erkrankt, schildert das Ende ihrer Beziehung. Der Freund schickte ihr eine SMS mit dem Inhalt: „Ich komme nicht damit klar, dass du jetzt keine Haare mehr hast. Es ist vorbei“.

Und dann ist da Julian, 17 Jahre alt, an Knochenkrebs erkrankt, der sagt: „Ich bin dem Krebs auch dankbar – für meine zweite Chance“.

Eine weite Bandbreite von Gefühlen. Mit viel Einfühlungsvermögen schreibt Kira Brück die Geschichten auf. Es ist, als ob die Jugendlichen neben mir sitzen würden. Das Lachen und Weinen wird selbst körperlich erfahrbar. Was soll gute Literatur mehr leisten, als Mitgefühl erfahrbar zu machen. Allerdings sollte Mit-Gefühl nicht in Mit-Leiden umschlagen. Auch das lerne ich mit diesem Buch wieder neu.

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Tschüss, Sigmar !

Sigmar Gabriel gehört also nicht mehr dem Bundeskabinett an. Ich bedaure das nicht so wirklich. Aber trotzdem war Sigmar Gabriel jemand, der seine Meinung sagte. Abseits der Befindlichkeiten. Bei aller Kritik werden Menschen wie Sigmar Gabriel, der unbequem bis zum Letzten ist, dem neuen Bundeskabinett fehlen. Die Politik braucht Querköpfe. Einer davon verlässt nun das sinkende Schiffe – oder besser: er wird des Schiffes verwiesen. Aber, davon bin ich überzeugt, der komplette Kahn wird sinken. Schlechte Aussichten für ein Land – und für Europa. Ich glaube, die Menschen sind diese glatten, inhaltsleeren Typen leid. Leider gibt es, im neuen Bundeskabinett, nur noch solche Typen. Schade, auch für jemanden, der einmal für die SPD aktiv war. Was ist geblieben ?

Tschüss, Sigmar !

Ich bin gerührt …

Nach Tausenden von Toten sieht sich unsere (nicht vorhandene) Bundesregierung genötigt, Fahrverbote zu verhängen, wenn die Abgasbelastung in deutschen Städten so hoch ist, das selbst deutsche Grenzwerte überschritten werden. Über die Zahl der Toten gibt es weite Spannen in den Meldungen. Ich werde mich an dieser perversen Diskussion nicht beteiligen. Klar ist nur: Lieber zu spät handeln, als gar nicht zu handeln.

Ich ahne schon jetzt, das die Debatte über die Toten, verursacht durch den Individualverkehr, destruktiv verlaufen wird. Wie wäre es damit, diese neue Entwicklung zu einer positiven Erfahrung zu machen ? Wie wäre es auf den ÖPNV umzusteigen, auf das Fahrrad, oder die eigenen zwei Beine ?

Aber nein, es wird weder diese Diskussion geben und erst Recht keine Verhaltensänderung. Da streitet man doch lieber über Grenzwerte und Tote durch die giftige Luft unserer Städte.

Jerusalem x 3

Jerusalem ist, mal wieder, in vielen Mündern. Die Trump Administration hat angekündigt, am 14. Mai 2018, eine neue „Mini Botschaft“ in Jerusalem zu eröffnen. Das ist kein finaler Umzug, sondern ein erster „Footprint“ bis zum Bau einer wirklichen Botschaft in Jerusalem. Aber darum geht es auch nicht.

Die US Administration hätte auch einen Blumentopf oder ein Laptop oder Donald Trumps Ar**h in Israel aufstellen können. Das hätte den arabischen Antisemiten, ich spreche hier nicht nur von Palästinensern, ausgereicht, um eine neue Intifada zu starten.

Jerusalem IST die Hauptstadt Israels und zwar nicht erst seit 1948 oder 1967 oder seitdem der Herzl Berg eröffnet worden ist. Wir sprechen hier über Jahrtausende, in denen Juden in aller Welt Gebete für die Rückkehr nach Jeruschalayim gebetet haben. (Im Gegensatz zu Moslems, bei denen Jerusalem als Gegenstand betrachtet wird, um Hass zu erzeugen.) Jerusalem war der Sitz der 2 Tempel. Heute ist dieser Platz von einer Moschee okkupiert. Leider wird der dritte Tempel eher nicht mit der Eröffnung der „Mini Botschaft“ in Jerusalem zusammenfallen. (Dann bräuchte es übrigens keine Botschaften mehr.)

Es ist also abzusehen, das Palästinenser und deren Unterstützer des eingewanderten Antisemitismus (nicht nur in Deutschland) auch diesen Ansatz ergreifen werden, um gehen den Staat Israel und Juden in aller Welt zu hetzen. Ja, es werden wieder Fahnen brennen und die Bundesregierung (falls es bis dahin eine gibt) wird, wieder einmal in die Schauspielschule gehen, um zu lernen, wie man publikumswirksam Krokodilstränen absondert.

Was ein wenig zu kurz kommt, ist die Tatsache, das Jerusalem, neben allen politischen Stürmchen auch anderes zu bieten hat. Zum Beispiel eine Kneipenszene. Und da gibt es den Versuch einer vielschichtigen Hommage an die Heilige Stadt. Da gibt es so viele kleine Eindrücke, die man nur wahrnimmt, wenn man alleine, zu Fuss, auch im Linienbus, in Jerusalem unterwegs ist. In klimatisierten Reisebussen wird man diese Eindrücke nicht sammeln können. Wer alleine in Jerusalem unterwegs ist, wird ein farbiges Bild der Stadt, in seinem tiefsten Herzen, geschenkt bekommen.

Alles das ist auch Jerusalem.

Yeruschalayim wird auch dieses Stürmchen überleben. Es werden vielleicht ein paar Zeilen in der Geschichte dieser grossartigen Stadt übrig bleiben. Der Glanz der Abendsonne, der in Yeruschalayim so einmalig ist, wird sich über die Tage senken. Ja, auch Gelassenheit kann man in Yeruschalayim lernen.

(Leider verlerne ich diese Gelassenheit viel zu schnell).

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Warum ich gegen die GroKo bin

Das wunderschöne Wortgebilde „GroKo“ könnte das Unwort des Jahres stellen. „Fake News“ hat das Rennen gemacht. Was sicherlich auch eine Gute Beschreibung unserer Realität ist. Allerdings gibt es „Fake News“ sicherlich nicht nur in den USA.

Am Sonntag tobt also ein Parteitag der SPD, auf dem es darum gehen soll, ob die SPD nun in Koalitionsverhandlungen mit der CDU eintreten soll oder nicht.

Die SPD macht ein Bild, das zerrissener nicht sein könnte. Der (berechtigte) Absturz in den aktuellen Meinungsumfragen macht die Sache nicht einfacher. Nun ist die SPD schon bei 18 Prozent gelandet und es geht weiter abwärts.

Aber ich möchte gar nicht in Schadenfreude verfallen, was die SPD angeht. Man könnte viel schreiben über den Umfaller Martin Schulz, der sich von der eigenen Basis treiben lässt und so immer mehr zur Witzfigur wird.

Was mich an einer Großen Koalition schreckt sind eher weitere Jahre des Stillstandes. Die Regierungsjahre von Frau Merkel sind vor allem durch Stillstand und der Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen, gekennzeichnet. Nette Bilder für die Fernsehgemeinde sind eben etwas anderes als Fakten.

Gerade in Sachen Klimaschutz kann sich Deutschland keine weiteren 4 Jahre „Weiter so“ erlauben. Ebenso in der Frage „Zuwanderungspolitik“.

Noch einmal: Weitere Jahre der Grossen Koalition sind weitere Jahre des Stillstandes und der Sozialdemokratischen Farblosigkeit. Aus der nächsten Grossen Koalition wird die SPD vermutlich einstellig herauskommen. Was ich nicht bedauern würde, wenn ich die Alternativen erkennen könnte.

Egal, wie der Sonntag ausgeht: Er wird ein Bild der Zerrissenheit einer ehemaligen Volkspartei liefern. Und er wird den Populisten der AfD nützen, die schon jetzt vor Schadenfreude über das Versagen der „Volksparteien“ platzen. Ein „Weiter so“ würde diese Schadenfreude in (noch mehr) Stimmen für die Rattenfänger verwandeln. Da scheint mir eine Neuwahl eher eine Chance als ein Risiko zu sein.

Wie auch immer: Der Sonntag wird ein Einschnitt in der Geschichte der SPD sein. Entweder es wird ein Parteitag der Geschlossenheit (was unwahrscheinlich ist) oder es wird der Anfang vom Ende einer ehemaligen Volkspartei sein.