Unsinnige Staudämme

Manchmal kann ich mich über die Gläubigkeit an technische Lösungen nur wundern. Glaubt wirklich jemand, die Fluten der Zukunft alleine durch Staudämme in den Griff zu bekommen ? Wäre es keine bessere Idee, die Ursachen der Fluten zu bekämpfen ? Zum Beispiel den Klimawandel, den viel zu hohen CO 2 Ausstoss unserer Mobilität, unseren Flugverkehr, der immer mehr zunimmt, immer günstiger wird,  und damit auch immer mehr Treibhausgase produziert ? Unseren wahnwitzigen Ernährungsstil, unsere Lebensweise an sich, die viel zu oft nicht durchdacht ist ?

Wäre es, ganz kurzfristig, keine besser Idee, Beton zurückzubauen, anstatt neuen Beton zu verbauen ?

Das Problem an der Sache ist, das wir einfach glauben wollen, „die Technik“ wird unsere Probleme schon lösen. Das ist bequem – und unsinnig. Den Preis unseres „Immer weiter so“ werden die zukünftigen Generationen bezahlen.

Schöne Aussichten.

Oder ?

Vollständige Nachrichten

Es gibt Massenmedien, von denen darf man nichts erwarten. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Zum Beispiel den Deutschlandfunk. Bisher war mir der Deutschlandfunk dadurch bekannt, möglichst objektiven Journalismus zu betreiben. Und der Deutschlandfunk war mir bisher dadurch bekannt, vollständig zu berichten.

Bei einer Nachricht von heute war das anders. Israel baut also 1.100 Wohnungen „für Siedler“. Und das auch noch “ im besetzten Westjordanland“. Quelle der Nachricht ist die linksextreme israelische Organisation Peace Now, die keine Gelegenheit auslässt, den Staat Israel im allgemeinen und die Siedler im besonderen zu diffamieren. Israel ist eben eine Demokratie mit Meinungsfreiheit und das wird (auch) von den Peace Now Extremisten ausgenützt.

Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Hintergrund der Nachricht ebenfalls publiziert worden wäre. Das ist nämlich der bestialische Mord an Rabbiner Raziel Shevah, der durch die Kugeln der palästinensischen Extremisten, in der Nähe von Havad Gilad ermordet worden ist. Angesichts dieser Tat ist die israelischen Reaktion, der Bau von 1.100 Wohnungen richtig und angemessen.

Leider ist vom Mord an Rabbiner Raziel Shevah in der besagten Meldung des Deutschlandfunkes nicht die Rede. Das wäre doch zu viel Hintergrund.

Warum übrigens liegt die jüdische Siedlung, in unserer Meldung, auf dem Berg ? Nun, man will rechtzeitig informiert sein, wenn die palästinensischen Mörder kommen, um gemeinsam Tee zu trinken und sich ans Händchen zu nehmen, um bei Friedensliedern zu tanzen. Die Gräber für die Menschen der Siedlung „oben“ sind, in der Siedlung „unten“ sicherlich schon ausgehoben. Falls es dann noch Gräber braucht.

 

Watte, Watte, Watte

Es gibt Tage, da läuft man wie auf Watte. Und auch der Kopf ist eine Sammlung aus Watte. Irgendwie ist alles wattiges Irgendwas.

Das Wattige spürt man zum Beispiel, wenn man versucht, ein paar Treppenstufen herunterzukommen. Wenn man kein Gefühl mehr für den Boden (wo ist der eigentlich ?) hat, wird selbst Laufen zur Mutprobe. Dann geht man ein Schrittchen vor dem anderen. Und je vorsichtiger man tappt, desto grösser ist die Gefahr, zu stürzen.

Nicht die Schmerzen schmerzen mich bei der Depression. Das ist auch doof. Aber so ein Gefühl von „Was-nicht-genau“ und „Watte im Kopf und sonst wo“ finde ich viel schwieriger. Das ist nicht definierbar. Das ist nicht beschreibbar. Das entzieht sich irgendwie der Logik. Und es ist diesmal nicht selbst herbeigeführt.

Manchmal schlucke ich zu viele Tabletten. Einfach, um endlich weg zu sein. Weg zu sein von der Scheisse. Ein wenig Schlafen. Am besten nicht mehr aufwachen. Auch vor dem Schlafen, und manchmal schon beim Aufpassen, ist der alte Zustand wieder da. Nichts hat sich geändert. Vielleicht doch ein paar Tabletten zu wenig ? So geht das manchmal ziemlich lange. Irgendwie haben die Tage gar kein Leben mehr. Alles ist verschwunden hinter der dunklen Wand. Und Frau Katze ist wieder da. Die Katze ist schwarz.

Ich weiss, das hört sich alles doof an. Ist es irgendwie auch. Aber es gibt kein Leben mehr. Alles ist zerbrochen und hinter einer schwarzen Wand. Es gibt keine Gefühle mehr. Alles ist zerbrochen und hinter einer schwarzen Wand. Gab es eigentlich ein (anderes) Leben vor der Depression ? Gab es eigentlich einmal Gefühle ? Wie war das eigentlich ?

Egal. Weg sein. Bitte.

Kim ist tot

Es ist eine Geschichte, die traurig macht. Eine junge Frau erkrankt an Brustkrebs. Da war sie 29 Jahre alt. Mit nicht einmal 30 Jahren starb Kim nun. Der Krebs war stärker.

Aber das ist nur eine Seite der traurigen Geschichte. In der Zwischenzeit bloggte Kim sich den Frust von der Seele, teilte, in aller Ehrlichkeit, Trauer und Wut, dunkle und schlechte Tage, lustiges (oh ja, auch das gab es) und trauriges von der Seele. Der Weblog hat einen bezeichnenden Namen:

Kimspiriert

Und der Weblog wird bleiben. Nicht nur als „Testament“, sondern auch als Mut-Mach-Quelle für Betroffene und Angehörige

Ausserdem war Kim auf Instragram und You Tube unterwegs.

Kim hat, einfach durch ihre, manchmal gnadenlose, Offenheit, Menschen die Angst genommen und neuen Mut gegeben.

Sie nannte den Krebs „die Zecke“. Und sie hatte sicherlich Recht damit.

NEWS-NE-21-BILD-Instagram

Ich selbst habe den Weblog von Kim (nicht nur) zur Zeit gelesen, als mein Vater an Krebs erkrankte und schliesslich starb. Der Unterschied: Er ist 80 Jahre alt geworden, war, bis zwei Jahre vor seinem Tod, völlig gesund.

Und doch erkenne ich so viel grundsätzliches in den Geschichten von Kim wieder. Die traurigen und lustigen Ereignisse im Krankenhaus, die Schmerzen, die Sehnsucht nach Normalität. Ich weiss nicht, ob Kim, so wie mein Vater, am Ende ihres Lebens, nur noch den Wunsch hatte, erlöst zu haben. Ich fürchte, es war eher nicht so. Mit knapp 30 Jahre wäre so ein Wunsch etwas anderes als nach einem erfülltes Leben.

(Und trotzdem hätte ich meinem Vater noch viele Jahre gegönnt.)

#FCKCANCER ist und bleibt #FCKCANCER .

Ich bin überzeugt davon, das es Kim, in ihrer neuen Welt, nun besser geht. Ich glaube, das Kim uns, mit einem spöttischen Lächeln, zuschauen wird. Und manchmal mit einem herzhaften Lachen.

Und, ja Kim, ich weiss, Du wartest da oben auf Deine LeserInnen Familie.

Und ja, Kim, wie sehen uns da oben – und dann machen wir alle erst mal ’ne Flasche auf und schicken den Schmerz zum Teufel.

bloggerin-kim-stirbt-in-der-silvesternacht