GrenzOrte: Kikar Rabin (Tel Aviv)

Der Rabin Platz in Tel Aviv hiess früher „Platz der Könige Israels“.

Der Platz liegt im Herzen der Stadt.

Im pulsierenden Leben Tel Avivs.

Man sieht Olim (Einwanderer) aus Russland, die Geige spielen, um etwas Geld nebenbei zu verdienen.

Ein Stückchen weiter ist der Eingang zu einem Einkaufszentrum.

Auch an diesem Eingang gibt es die übliche Sicherheitskontrolle.

Hinter dem Kikar Rabin liegt das Teil Aviver Rathaus.

Vor dem Rathaus liegt ein großer Platz.

Rabin_Square_2013_05_03

Hier finden die grossen Friedenskundgebungen statt.

Auch die jährliche Kundgebung für Yitzhak Rabin.

Wer zum Rathaus will, kommt an einem schwarzen Stein vorbei.

Der Stein ist, von unten, beleuchtet.

304416418_6d0281e21d_o

Auf diesem Stein steht geschrieben das Yitzhak Rabin, der damalige israelische Ministerpräsident, hier ermordet wurde.

204011517_aed8467365_o

Am 04.11.1995.

Nach einer Friedenskundgebung.

In einem Viereck angeordnet gibt es eine kleine Ausstellung der Ereignisse.

Wenn man am Stein vorbei, die Treppen zum Rathaus emporsteigt, kann man die Fortsetzung sehen.

Ich war zu diesem Zeitpunkt, im November 1995, das erste Mal in Israel.

Ich kann mich an das Entsetzen erinnern.

Ein Entsetzen, das bis heute andauert.

Wenn ich es nicht eilig habe, lege ich am Kikar Rabin eine Pause ein.

Ich setze mich auf eine der Bänke.

Ich schaue einfach nur den Menschen zu.

Dem treiben der lebendigen, grossen Stadt.

Immer wieder sieht man Blumen an diesem Ort.

Kerzen.

Auch geschriebene Botschaften.

„Lama“ ?

Warum ?

Für mich ist der Rabin Platz auch ein Ort geworden, an dem ich mich mit Freunden verabrede. „

Kikar Rabin. Am Stein ist inzwischen eine Standardverabredung geworden.

So vermischt sich die Geschichte Israels mit Privatheit.

Der Kikar Rabin ist ein Erinnerungsort geworden.

En Ort der Mahnung.

Es gibt für mich nicht viele Orte, die den Wahnsinn des Hasses, des Fundamentalismus, der Menschenverachtung, so deutlich zum Ausdruck bringen wie der Kikar Rabin.

Dieser Ort erinnert daran bei allem Streit, allen Emotionen, allen Differenzen, nicht zu vergessen, dass der Gesprächspartner ein Mensch mit allen wunderbaren Fähigkeiten ist, die ein Mensch haben kann.

Dass dieser Mensch das natürliche Recht hat, als Person respektiert zu werden.

Heute verstehe ich mich am besten mit Menschen, mit denen ich früher heftigste kontroversen ausgetragen habe.

Oft im anonymen virtuellen raum.

Ich glaube der Virtuelle Raum birgt die Gefahr von übertrieben heftigen Reaktionen, von gewollten und ungewollten Verletzungen

Eben will alles anonym ist.

Der andere ist zwar anwesend, aber nicht sichtbar.

Ich sehe durchaus die Gefahr, das sich die „virtuelle Verhaltensweise“ auch auf die ganz konkrete, reale Welt überträgt.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich schließe mich da voll und ganz mit ein.

All diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich an den Kikar Rabin denke.

Ein Ort der Erinnerung.

In einem lebendigen Umfeld.

Der Weg zum Kikar Rabin ist schon traditionell der Erste.

Wenn ich in Tel Aviv bin.

Von der Hayarkon Straße kommend, den David Ben Gurion Boulevard hinunter, läuft man direkt auf den Kikar Rabin zu.

Immer wieder.