Eine Kultur der Beliebigkeit

In vielen Medien ist vom „Untergang des Abendlands“ die Rede.

So pessimistisch bin ich nicht.

Was ich allerdings feststelle ist, das in Deutschland die Werte abhandengekommen sind.

Wichtig ist nur, was Spass macht.

Wer will schon Verantwortung für den Nächsten übernehmen ?

Für die Schöpfung ? Für Menschen, die anderswo leben ? Der Blick reicht bis zum eigenen Tellerrand. Bis zur eigenen Ortsgrenze. Traurig, aber wahr.

In einem solchen Klima ist es natürlich nicht nachvollziehbar, das Menschen ein religiöses Leben führen und das auch nach aussen hin zeigen.

Das Judentum hätte, in dieser Kultur der Beliebigkeit, nicht überleben können. Sicherlich wär das manchen Menschen sehr recht. Aber das jüdische Volk hat, dem Rest der Menschheit, nicht den Gefallen getan, einfach zu verschwinden. Das ist gut so.

Judentum hat immer dadurch überlebt, dass die Gebote gelebt worden sind. Dass Bräuche weitergeführt wurden. Dass Traditionen gelebt wurden.

Bei aller Pluralität im Judentum ist diese Religion sicherlich nicht dazu geeignet, in einer Kultur der Beliebigkeit aufzugehen.

Das Geschehen in der Schul  folgt uralten Traditionen. Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Kette wurde nie unterbrochen. Ich bin sehr optimistisch, das diese Kette auch weiterhin nicht unterbrochen wird.

Wer zum Judentum konvertiert, schließt sich selbst in diese Kette mit ein, von Generation zu Generation. La Dor va Dor.

Das Judentum macht es Konvertiten nicht leicht. Im Gegenteil: Die Hürden sind hoch, es gibt eine Menge zu lernen. Wie passt das zur Kultur der Beliebigkeit? Überhaupt nicht. Ich hoffe stark, das es so bleibt. Auch, weil das Lernen beim Gijur lebensnotwendig ist, um die (neue) Religion bewusst leben zu können. Vielen Menschen scheint der Begriff vom „lebenslangen Lernen“ abzuschrecken. Für mich ist dieser Begriff eine Verlockung. Ein strahlendes Licht in einer Gesellschaft ohne Werte.

Für viele Menschen (ich erlebe das immer wieder) ist die Lebens Praxis religiöser Menschen nicht nachvollziehbar. Warum Schabbes halten ? Warum koscher essen ? Warum sich selbst Einschränkungen auferlegen ? Diese Fragen werden mir oft gestellt. Die Antwort ist schwer. Wie soll ich einem Menschen, der Religion nie als etwas Positives empfunden hat, erklären, welcher Zauber im Schabbes  liegt, welchen Sinn Kaschrut  hat, wie zufrieden ein Leben für G“tt machen kann? Letztlich ist es nicht zu erklären. Es ist wohl wirklich so, wie mir ein befreundeter Rabbiner in Jerusalem sagte:“ DU wirst den ganzen Weg zur Thora gehen. Du musst dich nicht vor Menschen rechtfertigen. Es gibt nur eine Instanz, die am Ende richten wird. Diese Instanz ist Gott.“