Was bedeutet Hawdala ?

Werfen wir einen Blick in das Neue Lexikon des Judentums (Seite 332, unten):

Hawdala (hebräisch „Unterscheidung“), Bezeichung fuer eine Zeremonie, die am Ausgang des Schabbats oder eines Festtages vollzogen wird. Man denkt dabei an den heiligen Charakter des gerade zu Ende gehenden Schabbats oder Festtages und an den profanen Charakter des beginnenden Werktages. Die Hawdala wird bereits in der Mischna (Ber 5,2) erwähnt. Die Zeremonie beginnt mit der Rezitation von Bibelstellen, die das Vertrauen auf G“tt zum Ausdruck bringen und von G“tt Vertrauen auf das Volk Israel erflehen (z.B. Jes. 12,2,3; Ps 3,9; 42,12; 116,12; Est 8,16). Meist wird – zum Zeichen des Segens und des Überflusses – Wein zum Übergiessen gebracht. Es folgt der Gewürzsegen unter Verwendung der Bessomimbüchse: Der Wohlgeruch erinnert noch einmal an die Freuden des gerade zu Ende gehenden Schabbats, der Kraft für den beginnenden Werktag geben sollen. Zum Abschluss wird ein Preis- und Dankgebet über der Flamme einer geflochtenen Kerze gesprochen, zur Erinnerung an die Erschaffung der Welt, die am ersten Tag der Woche mit dem Licht begann.

Hawdala ist also eine Zeremonie, die Abschied nimmt und Willkommen heisst.

Wir verabschieden die Heilige Zeit und wenden uns der Profanen Zeit zu. Nicht immer mit Freude. Aber es kann nicht immer Schabbes oder Jontef (Feiertag) sein. Sonst würden sowohl die Heilige Zeit, als auch die Profane Zeit, ihren Charakter verlieren. Der Wechsel zwischen den Zeiten macht Leben aus. Der Wechsel zwischen den Zeiten  macht den Sinn der „zweigeteilten“ Zeit aus.

Am Beginn der Hawdala werden Bibelstellen rezitiert, in denen vom Vertrauen auf Gott die Rede ist. Vertrauen auf Gott bedeutet auch Vertrauen in sich selbst. Innere Ruhe. Mit Vertrauen auf Gott muss ich nicht im Mittelpunkt stehen. Warum ? Weil Gott den Mittelpunkt meines eigenen, inneren Universums bildet. Das bedeutet keine Abwendung von den Mitmenschen, sondern eine Zuwendung, Kraft für andere da zu sein. Im Wissen, das Gott bei mir ist, (auch wenn etwas schief geht) kann ich für andere Menschen da sein. Weil Gott anwesend ist. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde. Gott ist da. Gerade weil wir ihn nicht sehen können. Mache dir kein Bildnis. Denn du brauchst kein Bildnis. Und keinen anderen Gott. Auch keinen Gott, der Konsum heißt. Auch keinen Gott, der Geld heißt. Auch keinen Gott, der „ich“ heißt.  Glaube bedeutet auch, Gott von den Götzen unterscheiden zu können.

Der Gewürzsegen. Noch einmal die Erinnerung an den Segen des Schabbat. Wir sind alle erinnerungsschwach. Weil wir Menschen sind. Deshalb sind solche Erinnerungen wichtig. Und auch das Wissen, dass es einen weiteren Schabbat geben wird. Das hält mich aufrecht in der profanen Zeit. Das hält mich aufrecht, wenn ich müde und abgespannt bin, wenn alles keinen Sinn mehr machen will. Der nächste Schabbes kommt bestimmt. Luft holen. Auftanken. Manchmal setze ich mich alleine in die Schul. Um wieder zu mir zu finden. In der menschenleeren Schul. Wirkliche Ruhe kann zu Konzentration führen. Das unterscheidet eine wirkliche Ruhe von den umtriebigen Masken unserer Zeit.

Zum Abschluss der Hawdala wird ein Preis- und Dankgebet über das Licht gesprochen. Eine Erinnerung an die Erschaffung des Lichtes am ersten Tag der Woche. Die Welt wurde erschaffen. Die Welt war Realität. Der erste Tag der Schöpfung. War das ein guter Tag für die Menschheit ? War das ein guter Tag für die Erde? Angesichts dessen, was Menschen aus der Welt gemacht haben? Ich bin mir nicht mehr sicher. Auf der anderen Seite gibt es auch gute Momente und Stunden. Der Rückblick fällt nicht gut aus. Ohne den Glauben auf das Kommen des Messias sähe das Firmament dunkel aus. Aber das Firmament ist nicht dunkel, weil ich weiss, das Gott ist und über mich wacht. Es gibt keinen Grund mehr, Angst zu haben. Welch ein Geschenk.