Gijur und Israel (Teil 2)

(Ich ahne schon, das sich meine geliebten Kritiker wieder melden werden. Wieder einmal handele ich ein Thema ganz subjektiv ab. Aber ich kann und will nur für mich selbst schreiben. Ich habe nicht das Recht, und auch keine, Lust für andere, oder in Namen einer Gemeinschaft zu schreiben.)

Welche Rolle, spielt der Staat Israel beim Übertritt zum Judentum?

Meine Erfahrung ist, das sich die Frage stellt, woher der Rabbiner kommt. Mein Rabbiner kommt aus Jeruschalayim. Er ist orthodox und will den Gijur so gestalten, dass er auch in Israel anerkannt wird. Das ist vermutlich sinnvoll. Auch wenn ich keine konkreten, zeitnahen, Pläne schmiede, nach Israel auszuwandern. Dazu müssen erst ein paar andere Probleme gelöst werden.

Natürlich spielt das Erlernen der hebräischen Sprache eine Rolle beim Gijur. Es geht nicht darum, perfekt Hebräisch zu sprechen (das erwartet niemand). Es geht einfach darum, im Siddur lesen zu können. Ich glaube, passables Hebräisch lernt man am besten im Land Israel selbst. Das heißt Ulpan. Manche Jeschiwot bieten Ulpanim an. Ich persönlich habe mich für Machon Meir in Jeruschalayim entschlossen. Dort gibt es neben dem Ulpan verschiedene Kurse, in denen man jüdisches Wissen vermittelt wird. (Tel Aviv ist auch nicht so weit weg). Ich habe von einigen Menschen gehört, und gelesen, die begeistert vom Machon Meir Programm waren und immer wieder in diese Jeschiva zurückkehren, um zu lernen. Einige sammeln ihren kompletten Jahresurlaub ein, um dann, an einem Stück, mehrere Wochen in Jeruschalayim zu bleiben und in Machon Meir zu lernen. Viele Kurse werden bei machen Machon Meir auch in englischer Sprache angeboten.

Es gibt auch Jüdische Gemeinden, in denen Hebräisch Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten werden.

Der Rabbiner erwartet von seinen Schützlingen, dass sie ein brauchbares Wissen über jüdische Geschichte, Ethik, Philosophie, mitbringen. Der Rabbiner erwartet auch, das seine Schützlinge ein gutes Wissen über den Staat Israel mitbringen. Der Rabbiner macht klar, das es wichtig für den Übertritt ist, dem Staat Israel positiv gegenüber zu stehen. Der Rabbiner erwartet durchaus auch die Fähigkeit, und den Willen, für den Staat Israel einzustehen.

Das heisst nicht, mit jeder Entscheidung einer israelischen Regierung einverstanden zu sein. Niemand verlangt das. Kritik ist wichtig. Es geht nicht um Anpassung. Allerdings kann erwartet werden, das ein Konvertit den Staat Israel vom Konzept her, dem Konzept eines jüdischen Staates, verteidigt. Nicht nur, weil der Staat Israel zur Schicksalsgemeinschaft gehört, und es wichtig ist, dieses Wissen um das Boot in rauer See, in Handeln umzusetzen. Es geht auch darum, das mag egoistisch klingen, das es für einen jüdischen Menschen kaum einen anderen Rettungsweg gibt, wenn es nötige werden sollte (was G“tt verhüten möge).

Eine andere Sache ist die Thora. Wir wissen, das sich die Thora in Ägypten und im Lande Israel abspielt. Mit der Thora unter dem Arm kann man in Israel umherfahren. Die Thora als Text, als Wort G“ttes, bietet eine starke Verknüpfung zum Land Israel. Die Thora als bindender Text, sozusagen als Rahmen für das jüdische Denken, verbindet uns mit dem Land Israel. Mit jedem Wort, das wir in der Thora lesen, wissen wir um unsere Verbundenheit mit dem Staat Israel.