Tagesklinik, 1. Tag

Heute Morgen, um 8 Uhr, habe ich mich in der Tagesklinik gemeldet.

Mit dem Frühstück beginnt der Tag in der Klinik.

Nach den Frühstück gibt es eine kurze zwischen Phase. Dann folgte ein erstes Gespräch mit dem Psychotherapeuten. Er fragte mich nach akuten Beschwerden. Er wollte wissen, woran ich mich, aus den Tagen meiner Kindheit, erinnere.

Der Therapeut fragte nach der Schulzeit. Da hat er einen wunden Punkt berührt Er fragte nach meinen sportlichen Erfahrungen in der Schule. Da kam dann gleich hoch, was ich verdrängt hatte. Ich habe heute noch eine Phobie vor Bällen und Ballspielen. Ich war in Ballspielen immer sehr ungeschickt. Das haben die Klassenkameraden natürlich mitbekommen. Ich wurde wegen dieser Unfähigkeit, mit Bällen umzugehen, nie in eine Gruppe gewählt. Ich wurde auch wegen meiner Unsportlichkeit gehänselt. Das alles hatte ich völlig verdrängt. Diese Erfahrungen sind aber nie verarbeitet worden. Sie liegen tief in meiner Seele, wie wohl noch vieles andere aus der Schulzeit. Das werden wir in der Tagesklinik, Stück für Stück, aufarbeiten müssen.

Nach diesem wunden Punkt, und meiner traurigen Reaktion, war erst einmal ein paar Minuten Pause angesagt.

Das Gespräch setze sich fort. Der Therapeut fragte nach meinen Eltern und dem Verhältnis zu meinen Eltern. Ich berichtete vom schwierigen Umgang zu meinem Vater. Ich berichtete über das gute Verhältnis zu meiner Mutter. Mit meinem Vater gibt es, auch heute noch, keinen guten Kontakt. Es scheint mir, er wird immer kälter und undurchdringlicher. Mit dem guten Verhältnis zu meiner Mutter ist vielleicht (?) auch das Problem verbunden, das ich mich schwer lösen kann.

Nach einer kurzen Pause wurde ich von einer Ärztin „ausgefragt“. Wir fertigten eine Liste von Problemen und Krankheiten an und überlegten ob es, abseits der laufenden Therapien, noch andere Möglichkeiten der Behandlung gibt. Besonders Formen der Therapie abseits von Medikamenten. An diesem Punkt werden wir morgen weiterarbeiten.

Ich freue mich, in der „Gestaltungstherapie“ mit Ton arbeiten zu können. Das Töpfern habe ich lange Zeit vernachlässigt.

Die Tagesklinik ist wie eine Art Seifenblase. Man lebt in einer anderen Welt. In einer Welt, in der jeder so ist, wie er nun einmal ist. Man braucht sich nicht zu verstellen. Jeder hat seinen Grund, warum er in der Klinik ist. Umsonst landet man nicht dort. Diese Blase aus Verständnis droht zu zerplatzen, sobald man wieder „draussen“ ist.

Morgen steht eine Visite des Oberarztes auf dem Programm. Danach geht es ins Krankenhaus, wo weitere Untersuchungen (CT, Ultraschall, EKG und EEG) stattfinden. Dann sind alle körperlichen Dinge abgeklärt.

Es ist zu früh, nach dem ersten Tag ein Urteil zu fällen. Was ich heute gesehen habe, war gut. Ich bin optimistisch, was die weitere Behandlung angeht.