Die Angstgruppe

Der heftigste Termin in der Tagesklinik ist die Angstgruppe. Am Anfang dachte ich das diese Gruppe einfach zu viel (für mich) ist. Den anderen 9 Leuten in der Gruppe ging es ähnlich. Es ist wahnsinnig schwierig, sich mit der eigenen Person, der eigenen Angst, den eigenen Denkstrukturen, zu beschäftigen. Jahrelang habe ich alles verdrängt und nun ist es so das Ich immer wieder auf die eigene Angst gestoßen werde. Es geht (in der Angstgruppe) nicht darum jemanden zu quälen oder zu ärgern. Es geht (in der Angstgruppe) darum Verhaltensweisen, die krankmachen, zu erkennen und zu ändern. Die Auseinandersetzung mit der Angst muss theoretisch und praktisch erfolgen.

Nach den Schweren Ersten stunden spüre ich wie die Angstgruppe mein denken positiv verändert. Ich betrachte die Angst nicht mehr als Feind, der bekämpft werden muss. Ich betrachte die Angst und deren Auswirkungen als Teil meiner selbst. Diesen Teil meines Selbst lerne ich zu akzeptieren. Wenn die Angst kommt, wehre ich mich nicht mehr. Ich nehme die Angst als Teil von mir an.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Angst und Panikattacken zu überstehen. Eine Möglichkeit ist etwas „Handfestes“ in den Händen zu halten. Zu drehen. Zu spüren. Ein Stein ist so etwas Handfestes. Was mir auch hilft, ist salziger Lakritz. Die Fähigkeit den Lakritz zu schmecken mindert bei mir die Angst. Eine andere Möglichkeit ist ein Lied vor mich her zu summen oder laut zu singen. Ein gutes Lied ist das hier. Der Text ist eindrücklich und die Melodie einfach zu behalten. Übrigens scheint auch mein Rabbiner das Lied zu mögen. Es hat seinen Platz bei fast jedem Kiddusch. Oft sage ich mir auch ein Gebet oder ein paar Sätze der Thora auf.

Natürlich kommen Angst und Panik immer wieder. Das ist immer noch belastend und unangenehm. Aber meine Einstellung zu Angst und Panik hat sich gewandert. Ich will nichts mehr besiegen. Ich lerne die Angst und die Panik, auch deren Auswirkungen auf mein Leben, anzunehmen und zu respektieren.

Das hat weitreichende Folgen: Ich nehme keine Medikamente mehr gegen die Angst und die Panik. Meine Karriere als Versuchskaninchen ist beendet. Am Samstag habe ich die Erfahrung gemacht das auch schwere Panikattacken durch die aufgeführten Maßnahmen zu überstehen sind. Ich hoffe mein Singen wurde von niemandem gehört 😉

Diesen Sprung, Angst und Panik zu akzeptieren, hätte ich alleine nicht geschafft. Ich brauchte die intensive Begleitung einer Tagesklinik. Entgegen meiner anfänglichen Skepsis weiß ich heute das die Tagesklinik, für eine begrenzte zeit, der richtige Platz für mich ist.