Welche Aufgaben hat ein Rabbiner ?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich möchte auf diese Frage ganz subjektiv antworten und schildern, wie ich „meine“ Rabbiner erleben durfte. Ich habe bisher zwei Rabbiner erlebt. Der Erste war reformjüdisch und kam aus New York. Der zweite, jetzige, Rabbiner ist orthodox und kommt aus Yeruschalayim. Also zwei verschiedene Richtungen.

Der erste Rabbiner, der reformjüdische, war sehr nett. Der Kontakt besteht bis heute. Aber so richtig „warm“ wurde ich mit ihm nicht. Das liegt vielleicht auch daran, das wir beide keine sehr einfachen Persönlichkeiten sind. Im G“ttesdienst selbst und auch in den Aufgaben, unterscheiden sich beide Rabbiner nicht.

Ein Rabbiner soll ein guter Lehrer sein. Ein Rav. Er soll Seelsorge betreiben können. Er ist für fröhliche und traurige Angelegenheiten der Gemeinde zuständig. Ein Stück weit ist der Rabbiner auch Repräsentant der Gemeinde. Der Rabbiner ist auch Vorbeter und legt den jeweiligen Wochenabschnitt der Thora aus. Letzteres muss nicht so sein. Es gibt auch Gemeinden, die einen Kantor anstellen. Der Rabbiner ist dann „nur“ noch dafür zuständig, die Thora auszulegen und einige Gebete zu sprechen. In Israel habe ich erlebt das ein Gemeindemitglied, in der Regel ein Trauernder, den G“ttesdienst leitet. Der Rabbiner ist auch dann selbstverständlich anwesend.

In Sachen „Übertritt zum Judentum“ ist die reformjüdische Schiene vielleicht einfacher. Es gab eine Konvertierungsklasse, die aber leider nicht zu Ende geführt wurde. Allerdings ist es so, das reformjüdische Übertritte nicht überall anerkannt werden. Es ist aber möglich nach dem Übertritt, auch wenn er reformjüdisch ist, nach Israel einzuwandern. Der israelische Staat erkennt den Uebertritt an. Das Oberrabinat in Yeruschalayim aber nicht. Das wird ein Problem z. B. bei Heiraten. Leider gibt es in Israel (noch) kein ziviles Eherecht. Für einen demokratischen, weltlichen, modernen, Staat finde ich das schon bemerkenswert. Diese Praxis führt dann leider dazu, das Menschen, die ganz bewusste Juden (aber eben reformjüdisch sind), Israel wieder verlassen und z. B. in die USA einwandern. Ich kenne einige solcher Fälle.

Jetzt gibt es also einen (ganz tollen) orthodoxen Rabbiner aus Yeruschalayim. Er hat auch eine Familie mitgebracht, mit der ich mich sehr gut verstehe. In Lebenskrisen wird mir immer wieder eine riesige Hilfe gegeben. Ich hoffe, ein Stück davon zurückgeben zu können.

Ich würde mir wünschen, dass Juden (und solche die es werden wollen) eine Wahlmöglichkeit zwischen reformjüdischen, liberalen, und orthodoxen Gemeinden hätten. Das ist natürlich eine Illusion. Aber ich denke, dass es wichtig ist, mit dem Judentum glücklich zu werden. Wenn dieses Gefühl der Glücklichkeit gegeben ist, scheint es mir auch unwichtig zu sein, welche Richtung des Judentums ausgewählt worden ist. Ich wuerde mir wünschen das die verschiedenen Richtungen des Judentums (auch die Orthodoxie besteht aus unzähligen Richtungen) sich gegenseitig ergänzen wuerden. Aber auch das ist eine Illusion. Leider.