Schade, Henryk Broder !

henryk broder kandidiert nun doch nicht fuer den vorsitz des zentralrates der juden in deutschland. ich finde das wirklich schade. denn henryk broder haette die energie gehabt etwas zu veraendern. er haette die energie zu energischen debatten und zu klaren worten gehabt. scheinbar hat henryk broder vor der aufgabe und den abgruenden, die sich vor ihm auftaten, resigniert.

Deutschland liebe zwar „Unruhestifter, Querdenker und Seiteneinsteiger, aber nur so lange, wie sie darauf achten, dass alles so bleibt, wie es ist“, sagte Broder dem „Spiegel“. Mit seiner Kandidatur habe er vor allem im Sinn gehabt, „den Zentralrat ein wenig aufzumischen“. Einfache Kritik am Zentralrat von seiner Seite hätte vermutlich wenig Effekt gehabt, schreibt Broder. „Ein Außenseiter aber, der gleich die ganze Firma übernehmen möchte, bringt die Ordnung durcheinander und sorgt für Panik auf dem deutsch-jüdischen Markt der Eitelkeiten.“

die ankuendigung von henry broder im berliner tagesspiegel vom 21. oktober 2009 hoerte sich sehr gut an. ich habe diese ankuendigung mit grosser zuversicht gelesen und gehofft das henryk broder eine uebergfaellige debatte ausloesen wuerde.

Ich habe nach reiflicher Überlegung beschlossen, mich um das Amt des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland zu bewerben. Das Procedere ist nicht ganz einfach, man muss der Repräsentantenversammlung einer jüdischen Gemeinde angehören und von dieser nominiert werden. Nachdem mir aber zwei kleine Gemeinden ihre Unterstützung zugesagt haben, sind das keine unüberwindlichen Hindernisse. In zwei Jahren werde ich 65, ich habe immer das getan, was ich tun wollte. Jetzt ist die Zeit gekommen, das zu tun, was ich tun sollte.

eine debatte ueber den platz des juedischen lebens in deutschland, abseits aller verlogenen solidaritaet und abseits aller schoenen, wohlfeilen worte am 27. januar und am 09. november waere wichtig und hilfreich gewesen. auch eine offene und schonungslose, aber interne, debatte ueber den zustand der juedische gemeinschaft waere wichtig gewesen. auch eine definition, abseits der wohlfeilen worte, des verhaeltnisses der juedischen gemeinden zu israel waere wichtig gewesen.

henryk broder waere ein mensch gewesen der diese diskussionen nicht nicht anstossen kann. er waere der richtig mensch gewesen um sich, in seiner ganz eigenen art, in die diskussionen einzubringen und diese diskussionen schliesslich zu einem ergebnis zu bringen.

jetzt waere es zeit fuer eine veraenderung. aber veraenderung ist wohl nicht erwuenscht. trotzdem wird die veraenderung kommen. notfalls ohne den zentralrat.