Die dritte Therapiestunde

Freitag Mittag war meine dritte Therapiestunde. Inzwischen hat sich schon so eine Art „Vertrautheit“  zwischen der Therapeutin und dem Patienten aufgebaut. Nach einem schlechten Gefühl ganz am Anfang der Therapie gehe ich inzwischen sehr gerne dorthin. Die Therapeutin ist eine gute Zuhörerin. Sie schafft es, durch das Ernst-nehmen und gleichzeitig durch die therapeutische Distanz, Hemmschwellen zu lösen. So erzähle ich der Therapeutin ganz offen, manchmal ohne Punkt und Komma, was mich bewegt. Die Angst und die ersten Hemmungen, wegen der fremden Person, haben sich gelegt.

Ich werde eine Schatztruhe basteln. Dort kommen alle meine positiven Eigenschaften hinein. Alles worüber ich mich freuen kann. Ich werde auch ein paar gute Freunde bitten ein Kärtchen für meine Schatztruhe zu schreiben.

Ausserdem werde ich versuchen einen Brief an meine Eltern zu schreiben. Das wird bestimmt spannend werden. Ich habe schon ein paar mal angefangen. Aber ich habe das noch nicht den richtigen Einstieg gefunden. Ich glaube der Brief wird ziemlich lang und emotional werden.

Schliesslich nähere ich mich weiterhin dem Symbol meiner Wut und Trauer. Wut weil ich nie auf diesen Baum steigen durfte. Trauer über die vielen Dinge, welche ich in meiner Kindheit nicht machen konnte. Dafür steht der Apfelbaum.

Therapie, auch das ist wahr, kann nicht schnell verändern. Der Zusammenbruch, einige Stunden nach der letzten Therapiestunde, spricht für diese These. Der weg ist noch unendlich lang und steinig. Die Traurigkeit wird mir keine Therapie der Welt nehmen können. Aber vielleicht lerne ich mir eine Schatztruhe in der Seele aufzubauen. Damit ich der Traurigkeit etwas entgegen setzen kann.