Judentum und Gesundheit/Krankheit

Wie Ich mit meiner Krankheit umgehe, und welchen Einfluss das Judentum auf diesen Umgang hat ist eine sehr interessante frage.

Zunächst einmal: Ich glaube ohne Gebete hätte ich die schwierigen Situationen der letzten Jahre nicht überstanden.

Ohne die Ruhe und Kraft, welche das Judentum ausstrahlt, wären manche Zeiten unerträglich geworden.

Wer wirklich glaubt, der findet Trost im Judentum. Trost in der langen jüdischen Geschichte. Trost in der Synagoge. Trost auch aus der kleinen Gemeinschaft des Judentums.

Wie oft habe ich Tehilim hervorgeholt, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Wie oft habe ich Melodien vor mir hergesummt, wenn es gar nicht mehr anders ging.

Aber da ist noch etwas anderes: Ich habe keine Angst vor dem Tod mehr. Viele schmerzen fügen wir uns aus Angst vor dem Tod zu. Viele unsinnige Therapien lassen wir über uns ergehen, weil wir Angst vor dem „danach“ haben.

Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod. Das hat vieles einfacher gemacht. Ich weiss, das ich in G“ttes Händen geborgen sein werde. Gerade auch im Tod. Ich weiss, das man meine Seele mit in sein Himmelreich aufsteigen wird. Der geschundene, viel zu oft operierte, Körper wird zu Staub werden.

Die Seele – die kranke Seele wird aufsteigen. Die Seele wird wieder gesund werden. Die Seele wird in einem hellen Licht und in der Wärme der Olam Haba (zukünftigen Welt) wieder gesunden.

Es gab einmal einen Rabbiner, der sagte mir, das die Krankheit, die Depression, mein ganz persönlicher Weg ist, um mich auf die zukünftige Welt vorzubereiten. Deshalb soll ich versuchen, nicht alles traurig zu sehen. Oft hilft mir dieser G“tt in besonders schweren Zeiten.

Es gibt schwarze Löcher. Es gibt Traurigkeit. Aber es gibt auch den Siddur, die Tehilim, die Synagoge.

Ohne jüdische Religion hätte ich diesen schweren Weg nicht bis hierher geschafft. Manchmal habe ich den Wunsch, Haschem würde meinen Weg etwas abkürzen und meine Seele mitnehmen. Aber so darf ich nicht denken. G“ttes Wege sind unergründlich und mein Vertrauen in G“tt ist grenzenlos. Das erleichtert natürlich auch den Umgang mit Depressionen.