Alan Posener, der Papst, der Holocaust

Posener schlägt mit seiner schonungslosen Analyse unter dem Titel «Benedikt, ein Papst in deutschem Namen» einen für den deutschen Journalismus neuen Ton an. Natürlich haben die deutschen Medien, wie Posener auch, die Versöhnung Benedikts mit den antisemitischen Pius-Bischöfen scharf kritisiert, ebenso die geplante Seligsprechung des Kriegspapstes Pius XII., der kaum gegen die Judenvernichtung protestiert hatte.

Bisher aber haben es bestenfalls einige linke Historiker – mit nur geringer Resonanz – unternommen, die Strategie des Vergessens und Vertuschens seitens des Papstes zu analysieren. Jetzt ist die Fundamentalkritik an Ratzingers Geschichtsblindheit in «Cicero», der eher rechts der Mitte stehenden intellektuellen Monatszeitschrift nachzulesen. In der heute erscheinenden Februarausgabe findet es Posener selber nicht nachvollziehbar, dass Benedikt in Deutschland – «eben nicht nur vom Boulevard, sondern von einem modischen Salon-Katholizismus und einem an der Demokratie irre gewordenen Feuilleton» – noch immer als geistige und moralische Grösse gehandelt werde.