Deutsche Spuren in Tel Aviv

Gestern war ich, wie schon geschrieben, auf dem Fest des jüdischen Buches. Besonders gefallen hat mir der Vortrag von Gil Yaron zum Thema „Tel Aviv – Deutsche Spuren  in einer israelischen Metropole“. Gil Yaron hat es in 60 Minuten geschafft ein farbiges und realistisches Bild von Tel Aviv zu zeichnen und die deutschen Spuren in Tel Aviv zu beschreiben.

Gil Yaron erwähnte ganz am Anfang dass der Hass von Extremisten auf allen Seiten sich nicht in erster Linie gegen Jerusalem, sondern gegen Tel Aviv, richtet. Warum ? Weil Tel Aviv für ein Leben nach rein weltlichen Gesetzen steht, weil Tel Aviv eine Metropole der Leichtigkeit und der Lebensfreude ist. Alles das können Extremisten nicht ertragen. Sie wollen keine Leichtigkeit, seine Säkularisierung, keine Lebensfreude nach weltlichen Mustern. Ganz gewiss wollen sie auch nicht den Versuch des Zusammenlebens von vielfältigen Kulturen akzeptieren.

Tel Aviv ist in gewisser Weise das Gegenstück zu Jerusalem. Tel Aviv. Eine weitgehend weltliche Stadt. Eine Stadt die gerade 100 Jahre geworden ist. Eine Stadt nicht auf Steinen, sondern auf Meer, gebaut. Eine Stadt die sich zum Meer ausrichtet. Die mediterrane Lage macht Tel Aviv weitgehend aus. Die Strassen führen letztlich zum Meer. Und doch ist das Meer positiv und negativ besetzt. Positiv als Freizeitort. Aber man erinnert sich auch an die arabische Drohungen „die Juden ins Meer zu treiben“.

Gil Yaron erzählte die Geschichte der Templer die sich im Heiligen Land niedergelassen haben. Sie brachten ihre Lebensweise mit. Sie waren zwar in gewisser Weise Vorläufer der Jeckes. Aber es gab einen Unterschied. Die Templer betrachteten sich als Baustein des neuen Tempels. Als Arbeiter für das Erscheinen G“ttes. Nicht zuletzt kamen die Templer freiwillig ins Heilige Land. Die Jeckes, vertrieben aus Nazi Deutschland, kamen nicht freiwillig. Sie waren Flüchtlinge die sich in der Levante nie heimisch gefühlt haben. Die Jeckes waren zum grössten Teil nicht religiös. Es ist erschreckend zu wissen das die Templer schliesslich in der NS Zeit in Scharen zu den Nazis überliefen. Keine deutsche Gemeinde im Ausland hatte einen Anteil von 30% NSDAP Mitgliedern. Hakenkreuzfahnen waren an den Häusern der Templer zu sehen. Mitten in Tel Aviv. Auch in Haifa.

Wie könnte ein gerechtes Urteil über die Templer aussehen ? Wie kann man den deutschen Spuren im heutigen Tel Aviv begegnen ? Es ist schwierig. Ich bin zwiespältig in meiner Meinung. Ich sehe das die Templer einiges für das Heilige Land getan haben. Ich sehe aber auch die braune Färbung am Ende.

In Tel Aviv hat man sich entschlossen die Templer als Teil der Geschichte zu sehen. Die Siedlung  der Templer mit dem Namen Sorona wurde „verpflanzt“. Von Jaffa mitten ins Herz von Tel Aviv. Ich war schon öfters da und habe mir die Häuser angeschaut. Es wirkt irgendwie irreal. Aber die kleinen Häuser von Sorona, mit dem Hintergrund der Wolkenkratzer von Tel Aviv, zeigen eindrucksvoll die Aufbauleistung von  nicht einmal 100 Jahren. Gerade diese Aufbauleistung, gerade dieser Kontrast, ist eine der vielen Facetten von Tel Aviv.

Gil Yaron ist übrigens auch engagierter Blogger – hier ist die Adresse.