GrenzOrte: Yad Vashem, Halle der Namen

Jerusalem. Yad Vashem. Die nationale israelische Gedenkstätte der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Ein trauriger, kaum erträglicher, Ort. Aber ein wichtiger Ort. Gerade für Besucher aus Deutschland. Wissen, woher man kommt. Wissen um den Fluch, dem Volk der Täter, anzugehören. Wissen um das Sein in Israel. Wissen um die Zuflucht der Jüdinnen und Juden aus aller Welt. Israel: die einzige Heimstatt des jüdischen Volkes. Die Geschichte Israels hat nicht mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung begonnen. Aber Israel ohne die Schoa zu denken scheint mir unmöglich zu sein. Ich kann es jedenfalls nicht. Dazu kenne ich (auch) zu viele Überlebende des Nazi Terrors und deren Angehörige.

Besonders schwer zu ertragen ist (für mich) neben dem Memorial für die ermordeten Kinder die Halle der Namen, praktisch die letzte Station des neuen Museums in Yad Vashem. Namen. Bilder. Die letzte Station in Auschwitz, Bergen Belsen, Theresienstadt, Mauthausen. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Wenn ich, in der Halle der Namen, nach oben schaue, in die Gesichter der Opfer des deutschen Rassenwahns, bin ich einfach nur unendlich traurig. Das Grauen ist nicht zu beschreiben. Das ist einer der dunklen Schatten auf meiner Seele. Eines der Pflaster. Dieses Pflaster wird mich in meine Grabstatt begleiten. Diese Grabstatt ist nicht in Deutschland. Wenigstens im Tode werde ich nicht im Land der Täter sein. Um die Frage zu beantworten: Nein, ich werde zu Lebzeiten nicht auswandern. Weil ich einigen Leuten damit einen Gefallen tun würde. Das will ich nicht. Niemand wird mich im Leben vertreiben.