Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte (Psalm 23).

Findet ihr auch, das der Psalm etwas „abgegriffen“, etwas zu oft zitiert worden ist? Vermutlich habt ihr Recht. Trotzdem zitiere ich den Psalm noch einmal. Warum? Weil dieser Psalm meiner Lebenserfahrung entspricht.

Immer wieder durfte ich erleben, dass der Herr mein Hirte ist. Immer wieder, gerade in schweren Phasen von Krankheit, Trauer und Verzweiflung hat sich der Herr als Hirte erwiesen.

Es steht geschrieben, dass im Himmel die Freude über 1 zurückgekehrtes Schaf grösser ist als die Freude über 99 Schafe, die immer brav und anstandslos bei der Herde geblieben sind.

Ist das nicht ungerecht? Und auch irgendwie unlogisch? 99 Schafe gegen 1 Schaf?

Doch hier kommt die dankbare Logik G“ttes zum Tragen. Hier sehen wir, das G“tt ein zuverlässiger und freundlicher Hirte ist. Auch wenn G“tt die Herde verlässt, um das eine Schaf zu suchen, das verloren gegangen ist. Niemand wird ausgestossen. Auch dann nicht, wenn er die Mitgliedschaft in der Herde G“ttes ausgeschlagen hat.

Das genau ist meine Erfahrung. Ich dachte, ohne G“tt leben zu können. Es brauchte Trauer und Krankheit, um zum Hirten zurückzufinden.

Der Hirte war gnädig. Keine Vorhaltungen, keine Frage. Dafür Freude darüber, dass ein verlorenes Schaf den Weg zurückgefunden hat.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung. Seitdem ich diese Erfahrung machen durfte, sind Rückschläge, ist Krankheit, weniger schlimm, weniger schmerzhaft.

Warum? Weil ich weiss das Ich im Leben und im Tode, beides, meinem Hirten folgen darf. Einem Hirten, der niemanden zurücklässt. Auch dann nicht, wenn er Schuld auf sich geladen hat.

Nicht mehr alleine zu sein, zu wissen, dass es den Hirten und die Herde gibt, nimmt mir die Angst vor dem, was kommen wird.

Mir wird in Krankengesprächen immer gesagt das Ich sehr ruhig und scheinbar ohne Reaktion auch schlimme Nachrichten annehmen würde.

Eben das ist es. Annehmen können. Annehmen dürfen. Auch in Phasen der Trauer und der Depression. Der Hirte ist bei mir. Ich darf mich auf den Hirten verlassen, beides, im Leben und im Sterben. Wovor sollte ich mich fürchten?