„Mama, wann stirbst Du endlich ?“

Bevor ihr in Verurteilungen abgleitet, solltet ihr das Buch gelesen haben. Das Buch schildert eine ganz normale deutsche Familie, die durch eine doppelte Pflegesituation regelrecht zerrissen wird. Die Autorin pflegte, viele Jahre lang, ihre Mutter, die an Demenz litt, und ihren Vater, der einen Schlaganfall erleidet und seit Jahren von einer Depression betroffen ist. Ein Szenario wie ein Alptraum. Eine Frau, die zwei pflegebedürftige Menschen pflegen muss und pflegen will. Das Buch bietet einen ungeschminkten Einblick in die Realität des deutschen Pflegesystems. Das Buch ist ein wütender Hilfeschrei, ein Schrei nach Beachtung, ein Ruf nach Hilfe, in gewisser Weise auch ein Ruf nach Erlösung. Wer nicht selbst mit einer Pflegesituation vertraut ist, kann schwer nachvollziehen, was die Autorin zum Titel „Mama, wann stirbst Du endlich ?“ bewegt hat. Die Autorin ist eben auch eine liebende Tochter, die das tägliche Elend nicht (mehr) ertragen kann. Ich wünsche diesem Buch eine grosse Aufmerksamkeit. Ich wünsche mir, dass mit diesem Buch, eine Diskussion über die Realität der Pflege in Deutschland, ausbrechen wird. Es liegt vieles im Dunkeln, was mit Pflege zu tun hat. Auch, weil Scham und Verzweiflung, angesichts einer Situation, die nicht zu bewältigen ist, mitspielt. Wenn der Begriff „Burn-Out“ inhaltlich definiert werden soll, haben wir hier ein sehr gutes Beispiel für die Definition.