Zum Ärger der Speichellecker

Es war einmal ein Text. Der Text passte den politisch korrekten Speichelleckern, in  den Redaktionen deutscher Zeitungen, nicht in den Kram. Eigentlich sollte der Text zensiert werden. Zensiert im Sinne von „Fällt unter den Tisch“. Das hatte sich (auch) der Spiegel so gedacht. Aber der Spiegel und die fleissigen Speichellecker hatten Pech. Die „Welt am Sonntag“ druckte den islamkritischen Text von Monika Maron. Das ist gut so. Noch haben die islamistischen Imame und deren Anhängerschaft nicht die Oberhoheit in deutschen Zeitungen. Noch nicht.

Und noch ein (etwas älterer Text) von Günter Kunert …

Wehret den Anfängen

Von Günter Kunert

„Die Mörder sind unter uns“, hieß einer der ersten Filme, die nach Kriegsende gedreht wurden. Nun scheint es, als solle dieser Titel eine aktuelle Bedeutung bekommen. Zur Erinnerung: Der Schriftsteller Ralph Giordano, ein Überlebender der Nazizeit, hat sich in der Presse gegen den Bau einer Groß-Moschee in Köln ausgesprochen, also nichts anderes getan, als ein Bürgerrecht wahrgenommen zu haben.

Die Folge war, dass er telefonische Morddrohungen erhielt, also potenzielle Verbrecher islamischen Glaubens sich über Recht und Gesetz in Deutschland hinweggesetzt haben. Das ist weder mit Schweigen noch mit Lethargie zu übergehen. Ohne dass wir es in den letzten Jahrzehnten bemerkten, hat sich bei uns zulande eine Gruppe fanatischer Islamisten etabliert, denen Gewalt, bis hin zum Mord, als Mittel recht ist, um ihr Ziel durchzusetzen: die Islamisierung des Abendlandes.

Unter der Überschrift „Das Minarett ist ein Herrschaftssymbol“ hat die Türkin Necla Kelek in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dargelegt, was eine Moschee bedeutet. Nämlich keineswegs ein Gotteshaus, unseren Kirchen gleich, sondern ein sowohl religiöses wie politisches Zentrum. Sie erklärt weiterhin, dass es für viele Moslems keine Trennung von Glauben und Politik gäbe – was wir nahezu täglich den Nachrichten entnehmen können. Uns will nicht in den Kopf, wie Menschen bereit sind, ihre Religion, etwas, das bei uns längst Privatsache ist, in brachiale Aktivitäten umzusetzen.

Die sogenannten „Ehrenmorde“, ein übles Wortkonstrukt erster Klasse, sollte uns eigentlich schon vor längerer Zeit aus unserem Schlaf der Vernunft geweckt haben. Unser Gedächtnis taugt nicht viel, sonst würden wir bei dem Fall Ralph Giordano an die Fatwah gegen Salman Rushdie denken. An die lächerliche Geschichte mit den dänischen Karikaturen, gegen die Fanatiker Menschenmassen auf die Beine gebracht haben. Es soll ein Tabu aufgerichtet werden, dass uns zwingt, jegliche Behandlung des Themas „Islam“ zu unterlassen. Was dahinter steckt, ist ein krasser und geistig nicht nachvollziehbarer Machtanspruch von Personen, die ihre eigenen Machtpositionen erhalten und ausweiten wollen, indem sie ihre Anhänger im Stande der Unmündigkeit zu halten beabsichtigen.

Giordano meinte auch, die im Straßenbild unserer Städte sichtbare Unterdrückung der Frau, da diese armen Geschöpfe, entwürdigend verhüllt, einherwandeln müssten, sei für sie wie für uns beschämend. Und im Grunde beschämend für die Männer, die den Frauen derartige Maskeraden aufzwingen. Wer andere unterdrückt, kann selber nicht frei sein, eine Binsenweisheit, die man vermutlich bisher in keiner Moschee gehört hat. Abschottung nach außen und Terror nach innen sind die Kennzeichen einer Gemeinschaft, deren Denken und Handeln sich um Jahrhunderte verspätet hat, und die sich innerhalb einer modernen Industriezivilisation eben dieser nicht gewachsen fühlt.

Mir scheint, die Aggressivität einzelner muslimischer Gruppierung sind Ausdruck einer psychischen Hilflosigkeit, die sich an den Rettungsanker des Glaubens klammert, um nicht in der „Zivilgesellschaft“ gleich unter Gleichen zu werden. Die Rigidität, wie sie auf andere Art auch bei Christen in Amerika zu finden ist, entstammt menschlicher Schwäche und Unreife. Wir kennen das aus unserer eigenen, noch gar nicht langen zurückliegenden Geschichte, da die umfassende Ideologisierung die Individuen verwandelte und, wie ein Buchtitel es sagt, „Nachbarn zu Mördern“ wurden. Manche Moslems klagen, man setze sie unter Generalverdacht, was ich keinesfalls tue. Nur ist der Eindruck unabweisbar, dass sie bedauerlicherweise nicht imstande sind, die Extremisten unter ihnen, die sich, um einmal Mao Tse Tung zu zitieren, wie die Fische im Wasser bewegen, zu bändigen. Sind die Mörder unter uns? Potenzielle bestimmt. Nur wird, sollte tatsächlich etwas Entsprechendes passieren, die Zeit zum Gegensteuern zu spät sein. Wehret den Anfängen, hörten wir einst, ohne dass es gelang, aufzuhalten, was den Anfängen folgte. Zu unser aller Schaden.

Günter Kunert, geboren 1929 in Berlin, wurde von Johannes R. Becher entdeckt und protegiert. Bis zu seiner Übersiedelung in die Bundesrepublik 1979 galt Kunert in der DDR als einer der meistgelesenen Autoren. Sein vielseitiges Werk umfasst u.a. Gedichte, Essays, Erzählungen, Märchen, Reisejournale und Kinderbücher. 1976 gehörte Kunert zu den Erstunterzeichnern des Protestbriefes einer Reihe von DDR-Schriftstellern gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Zu den zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen Kunerts zählen u.a. der Heinrich-Mann-Preis, der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, der Hölderlin-Preis, der Hans-Sahl-Preis und der Georg-Trakl-Preis. Kürzlich erschienen ist Kunerts Aufzeichnungsbuch „Die Botschaft des Hotelzimmers an den Gast“.