Noch ein Gespräch mit Marina Weisband

Marina Weisband auf dem Maidan: „Kaum einer nimmt Klitschko ernst“

Von Fabian Reinbold

Marina Weisband verbrachte die vergangene Woche auf dem Maidan. Im Interview berichtet die Piratin und gebürtige Ukrainerin von ihren maskierten Begleitern und erklärt, warum die Opposition nicht mit einer Stimme spricht. Deutsche Medien zeichnen ihrer Ansicht nach ein verzerrtes Bild.

SPIEGEL ONLINE: Frau Weisband, Sie haben die vergangene Woche auf dem Maidan verbracht. Wie war die Stimmung?

Weisband: Es war ein sehr gemischtes Bild. Da waren Nationalisten, Ultralinke, Rentner. Auf der Bühne wurden Gedichte vorgetragen, am Rande an Barrikaden gearbeitet. Die Lage war noch ruhig, aber die Leute waren orientierungslos.

SPIEGEL ONLINE: Man sieht vor allem Bilder hochgerüsteter Demonstranten mit Stahlhelm, Knüppel, kugelsicherer Weste.

Weisband: Ja, fast jeder zweite auf dem Maidan ist maskiert und trägt improvisierte Schutzkleidung. Die rüsten sich so auf, weil ihnen hochgerüstete Polizeitruppen mit Kalaschnikows gegenüberstehen, die für eine autoritäre Regierung arbeiten. Ich hatte auch erst Angst, über den Platz zu laufen, weil da überall Männer mit Knüppeln sitzen. Aber die meisten waren sehr freundlich. Ich wurde selbst von zwei Maskierten begleitet, als ich mal zur Gruschewskistraße ging, wo sich die Demonstranten und die Berkut-Einheiten gegenüberstehen. Meine Begleiter waren sehr freundlich, wahrscheinlich nicht einmal volljährig.

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