Zustände

Also ich kann Menschen verstehen, die in einer akuten depressiven Phase Selbstmord begehen. Die Unmöglichkeit sich selbst, und seinen Zustand, mitzuteilen raubt mir noch die letzten Nerven. Wie soll ich eine Depression beschreiben ? Welche Worte könnten da richtig sein ? Wie kann ich unendliche Müdigkeit, die Schwere im Kopf, das Schwarz der Gedanken, mitteilen ? Wie kann ich in Buchstaben fassen das nichts mehr schön ist, das keine Freude mehr existiert, das Menschen, gerade auch bemühte Menschen, auf einmal unendlich weit weg sind ? Wie soll ich die Tatsache vermitteln, in Watte gepackt zu sein ? Wie soll ich erklären das ich hinter einer riesigen, durchsichtigen, Wand lebe, und zwar körperlich da bin, aber trotzdem hinter der Wand gefangen ? Ich möchte ins wirkliche Leben und kann es doch nicht. „Mittendrin und doch nicht dabei“. Die gläserne Mauer trennt mich von meiner Umgebung. Keine Berührung mehr möglich. Alles weggesperrt. Die eigene Seele existiert nicht mehr. Und dann dieses schlechte Gewissen. Nichts Schaffen, nichts können, ein Versager zu sein. So flüstert es mir der kleine Teufel auf meiner Schulter immer wieder zu. Da helfen auch ganz liebe Worte nicht. Ich kann Lob einfach nicht annehmen. Negative Wertungen kann ich annehmen. So dreht sich die Spirale immer schneller. Und das soll Leben sein ? Wenn das Leben ist, wäre es ein Grund mehr damit aufzuhören. Aber selbst dazu fehlt mir die Kraft. Also weitermachen. Dunkelheit. Schmerzen. Verzweiflung. Und die immer gleiche Frage: „Warum ?“.