Rav Elyashiv, Materie, Denken und der Tod

Nein, ein Leben in irdischem Luxus schwebte Rav Joseph Schalom Elyashiv nicht vor.

Rav Elyashiv war, durch und durch, ein Lehrender – und ein Lernender.

Beides.

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Dieses kleine Video zeigt nicht nur wie der Rav gelebt hat, in „ärmlichen“ Verhältnissen. Mitten im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim. Aber „ärmlich“ im Sinne von Materialismus war für den Rav nie ein erstrebenswertes Ziel. Wichtiger als der Materialismus war ihm das Denken. Wichtiger als die Materie war ihm die Tradition.

Rav Elyashiv war einer der grossen Rechtsgelehrten seiner Zeit. Sein Wort hatte Gewicht. Mehr Gewicht als das Wort eines staatlichen Gerichtes. Für seine Schüler, und weit darüber hinaus, war Rav Elyashiv eine moralische Instanz.

In Mea Shearim denkt man, als materialistisch aufgewachsener Mensch, oft an Armut. Und das ist ja auch nicht ganz falsch. Aber Armut im Materiellen ist etwas anderes als Armut im Denken. Ich glaube Rav Elyashiv war ein glücklicher Mensch. Er war glücklich beim Lernen und im Lehren.

Kann uns das, in unserer Welt, etwas sagen ? Welchen Stellenwert hat Materialismus für uns ? Und macht es wirklich glücklich immer mehr zu haben ? Oder ist das alles nicht Ballast auf dem Weg in die kommende Welt ?

Der Reichtum von Rav Elyashiv war neben seinem Wissen die Vielzahl seiner Schüler. Halb Mea Shearim war auf dem Weg zu seiner Beerdigung. Es war ein typisch haredisches  Massen-Event. Mit unserer deutschen Vorstellung einer ruhigen und geordneten Beerdigung hat das wenig zu tun. Und doch zeigt dieser Event das Rav Elyashiv zwar körperlich tot ist, aber im Geiste, gerade auch im Geiste seiner Lehre und seiner Schriften weiterlebt.