Kreuzwege und Osterlichter

Es ist die Zeit vor Ostern. Nicht Weihnachten, Ostern ist das höchste Fest der Christenheit. Nicht die Geburt, der Tod und die Auferstehung. Das ist in unserer säkularen Welt fast in Vergessenheit geraten.

Vor Ostern kommen die Kreuzwege und Kreuzvespern. Es geht um die Vorbereitung auf Ostern. Auf das Licht. Auf die Hoffnung. Auf die Auferstehung.

Wir kommen aus dem Dunkel. Verfolgung. Folter. Hinrichtung. Auch heute noch. Syrien, das ehemalige Jugoslawien, so viele Staaten der angeblich Dritten Welt.

Aber auch Dunkel, Verfolgung, Folter, Hinrichtung der Schöpfung G“ttes. Wie viel überflüssige Energie wollen wir noch verbrauchen ? Wie viel Wasser wollen wir noch verschmutzen ? Wie viele Kohlekraftwerke werden die Luft noch verschmutzen ? Wann endlich werden wir merken, dass es so nicht weitergeht ?

Aus dem Dunkel ins Licht. Ganz praktisch in der Kirche. Orgelgesang. Die Lichter gehen an. Gesang ertönt. Aber auch die Kerzen brennen weiter. Wir vergessen nicht woher wir kommen. Wir vergessen nicht unsere Vergangenheit und haben doch eine Zukunft in G“ttes Liebe. Es geht weiter. Immer. Irgendwie.

Wir tragen unser Kreuz. Jeder trägt sein eigenes Kreuz. Manche Menschen tragen ein so schweres Kreuz, das sie darunter zerbrechen.

In der jüdischen Tradition heisst es, das der zweite Tempel zerstört wurde, weil die Menschen sich nicht geliebt haben, Hass, Verachtung, Niedertracht. Aber schon Früher: Wer hat mehr, wer hat weniger ? Neid, Missgunst. Wir Tragen persönliche, zerstörte oder persönliche Tempel mit uns herum. Gescheiterte Ehen, zurückgelassene Kinder, Gewalt in der Schule, Mobbing auf der Arbeit. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Zerstörte Tempel. Immer wieder.

Und doch Hoffnung. Der dritte Tempel wird erbaut werden. Die Schrift wird sich erfüllen.

Das Licht der Auferstehung. Gerade in Krankheit und Leid, gerade in Krankenhäusern und Hospizen, gerade in den vielen sozialen Einrichtungen. Die Menschen dort, meistens sehr engagiert, sind das Licht.

Als die Frauen, die bei Jesus Kreuzigung anwesend waren, zum Grab kamen, um Jesus Leichnam mit Balsam zu versorgen, fanden sie einen weggerollten Stein, der das Grab verschlossen hatte, und schliesslich ein leeres Grab vor.

Was sind unsere grossen Steine ? Welche Sorgen drohen uns zu überrollen ? Wenn ich Menschen sehe, die vor lauter Steinen das Licht nicht mehr erblicken, tut es mir in der Seele weh. Natürlich versperren mir manchmal auch Steine den Weg zum Licht. Depression. Angst. Leukämie. Hoffnungslosigkeit. Aber da ist doch das Wissen darum das die Steine das Licht, die Hoffnung, nicht auf Dauer verstellen.

„Alle Tage sind Kreuzwege. Das Ziel der Tage ist aber Ostern.“ Das sagte ein weiser Mönch zu mir. Ja zu den Kreuzwegen. Aber auch Ja zu Ostern. Die Hoffnung nicht verlieren.

Wir müssen nicht ohne Hoffnung leben. Es gibt einen G“tt, der uns alle trägt. Durch die Kreuzwege. Durch unser ganz privates Kreuz. Und am Ende steht das Licht. Die Verheissung. Ich lebe für dieses Licht. Gerade in dieser Zeit der Kreuzwege, der Zeit vor Ostern.