Depression und Psychoedukation

Heute Morgen hatte ich ein Pressegespräch zum Thema „Selbsthilfe bei Depressionen“. Ehrlich gesagt nehme ich solche Termine sehr gerne wahr. Nicht um in der Zeitung zu stehen (Publizität reizt mich lange nicht mehr), sondern um das zu betreiben, was man „Psychoedukation“ nennt.

Psychoedukation ist nicht nur eine Aufgabe für Betroffene. Psychoedukation zielt auch darauf ab, die Öffentlichkeit über Krankheitsbilder der Psyche zu informieren. Zu gross ist noch das Unwissen, zu viele Vorurteile kreisen durch die Gegend, zu wenig Verständnis wird den kranken Menschen entgegengebracht.

Was ist eine Depression ? Man sieht ja nichts. Warum werden Menschen so selten geheilt ? Und warum dauert das alles so lange ? Will sich der Mensch hinter der Diagnose verstecken ? Ist das vielleicht sogar Faulheit ?

Wieso will ein depressiver Mensch nicht in die Sonne gehen ? Warum lehnt dieser Mensch so vieles ab ? Warum ist ein Gespräch, ausserhalb der Krankheit, kaum möglich ?

In einer Depression gibt es immer (mindestens) zwei Erkrankte, oft auch Familien. Da geht viel kaputt, das nicht mehr zu reparieren ist. Und viele depressive Menschen rutschen, durch die Schuldgefühle, noch tiefer in die Dunkelheit herunter.

Mein Gesprächspartner war sehr aufgeschlossen und, im positiven Sinne, neugierig. Es ging bei dem Gespräch auch weniger um meine Person, sondern viel mehr um meine Geschichte mit der Depression. Wie fing das alles an ? Was passierte zu welchem Zeitpunkt ? Da kommt vieles an Erinnerungen hoch, vieles auch an Schmerz. Aber mit einem gewissen Abstand zum eigenen Leben ist das in Ordnung. Man kann nicht über sich selbst erzählen ohne sich selbst, ein Stück weit, zu erklären und zu öffnen.

Was ich so oft im persönlichen Gespräch getan habe, passierte nun ebenfalls im persönlichen Gespräch, aber eben mit dem Wissen, das dieses Gespräch, in einen Artikel gepackt, veröffentlicht wird.

Vielleicht macht diese Veröffentlichung Menschen Mut den Weg zu einem Arzt, in eine Klinik oder gerne auch in die Selbsthilfe zu gehen. Niemand muss alleine vor sich hin leiden. Es brauchte auch bei mir viel Zeit um das zu erkennen. Heute bin ich froh den Schritt aus der Isolation getan zu haben.