Licht sein

Es gibt sie noch. Die anregenden, positiv fesselnden, Predigten. Ich hörte heute eine solche Predigt in einer katholischen Kirche. „Licht sein“ war das Thema des Pfarrers. Er fragte sich selbst und seine Zuhörer, wie wir Licht sein könnten. Nun, in tätigem Handeln. In Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten, in der Arbeit mit Obdachlosen, in Stadtteilzentren. Bei den Schwachen, die am Rande stehen. Bei den Sterbenden, die keine Lobby haben. „Licht sein“ durch tätiges Handeln. Da kommt mir Rabbiner Samson Raphael Hirsch in den Sinn, der immer wieder betonte das Judentum eine tätige Religion ist. Er betonte es nicht nur, er lebte es. Übrigens ist Predigen nicht die grosse Stärke jenes Pfarrers. Da gibt es rhetorisch bestimmt grössere Lichter. Aber jener Pfarrer predigt nicht nur. Er setzt seine Predigten in Handeln um. Ich durfte das mehr als einmal erleben. Auch das Christentum also als tätige Religion. So kommen Religionen zusammen. Ich frage Menschen, die über den Glauben kübelweise Dreck ausschütten, wo sie denn ein Licht sind. Ganz konkret. Fast immer bleibt die Frage ohne Antwort. Berechtigte Kritik ist das eine. Eigenes Handeln, für andere, im Geiste der Nächstenliebe, ist etwas ganz anderes. Ich bin nur ein kleines Licht. Doch dieses Licht leuchtet durch die Hilfe G“ttes. Es erinnert mich daran, das ich nicht für mich alleine lebe. Licht sein. Nicht nur am Sonntag.