Gemischte Gefühle

Ostern steht vor der Türe. Eigentlich eine schöne Zeit, auch theologisch gesehen. Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit. Da geht es um Passion und Kreuzigung. Aber es geht eben auch um Auferstehung. Gerade der Ostersonntag ist eine Vision, ein Trost, eine Hoffnung, für viele schwerkranke Menschen. Die Kirche dunkel, nur Kerzen. Das Osterfeuer. Taize Lieder. Schliesslich auf einen Schlag Helligkeit und jubelnde Orgelmusik. Aus dem Schatten wird Licht. Aus der Trauer wird Zuversicht. Hoffnung. Gerade auch in schweren Zeiten.

Aber Ostern ist auch eine schwere Zeit für das Judentum. Früher war gerade die Zeit unmittelbar vor Ostern, besonders der Karfreitag, ein Tag der Angst für die jüdische Bevölkerung. Da wurde viel zu oft die aufgepeitschte Stimmung aus den Kirchen in Pogrome übertragen. Die Juden konnten ihres Lebens nicht sicher sein. Gerade in der Zeit unmittelbar vor Ostern.

Wenn ich heute die Schriftlesungen höre, ist auch da eine gewisse Hetze gegen das Judentum zu hören. Dabei ist nicht historisch nachgewiesen, das Juden für die Verfolgung und den Tod Jesu verantwortlich waren. Die andere Erklärung nimmt Römer in die Pflicht. Wie dem auch sein mag: Geschichte darf nicht als Rechtfertigung für Pogrome, für Verfolgungen, für Mord dienen.

Pessach. Der Auszug aus Ägypten. Freiheit !? Ich habe von meinem Rav gemeint, dass die erste Freiheit, die des eigenen Denkens ist. Wir dürfen uns, gerade an Pessach, von unseren eigenen Grenzen entfernen und, in gewisser Weise, grenzenlos werden. Es geht um die innere Entwicklung, die Freiheit sein kann. Wenn wir den Mut zur Freiheit haben. Eingefahrene pathologische Einstellungen geben auch Sicherheit. Zu erkennen, dass Einstellungen falsch sind und deshalb geändert werden müssen, ist das Gegenteil von Sicherheit. Freiheit eben. Freiheit ist nie bequem. Hinterfragen ist anstrengend. Aber gibt es wirklich eine Alternative dazu ? Sind wir nicht denkende Menschen ? Wollen wir unsere Freiheit nicht nutzen ?

Wenn wir unsere Freiheit nutzen, ist das Osterfest ein Fest der Erlösung. Geula. Wollen wir nicht endlich beginnen ?

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