Glaubens-Brüche

Ich bin nicht zum Karfreitags-Gottesdienst gegangen. Zu offensichtlich ist, gerade an diesem Tag, die nicht vorhandene Wertschätzung gegenüber dem jüdischen Volk. Nicht zuletzt Karfreitag ist, für jüdische Menschen, ein Tag der Erinnerung an versuchte Zwangsmissionierung, an Hetze, die viel zu oft in Pogrome mündete.

Auch heute ist der Karfreitag, im christlich-jüdischen Dialog, kein Tag wie jeder andere. Gerade an diesem Tag wird die Rolle der beiden grossen Kirchen im Holocaust wieder offenbar. Nein, es ist eine Schuld, die nicht vergeht. 6 Millionen Ermordete, Hingemetzelte, Deportierte, Entrechtete, Menschen machen eine Rückkehr zur Zeit vor 1933 unmöglich. Und der Holocaust war „nur“ der Höhepunkt einer Verfolgung über Jahrtausende hinweg. Und mit dem Holocaust, mit diesem Bruch in der Geschichte, endet die Thematik noch lange nicht. Wie gesagt: „Es wird nicht vergehen“.

Mit der Karfreitagsbitte, die auf Drängen von Papst Benedikt, in die Liturgie aufgenommen worden ist, wurde alles noch schwieriger. Nachzulesen ist die Debatte im Büchlein „… damit sie Jesus Christus erkennen“. Der verheissungsvolle Weg des christlich-jüdischen Dialoges, nicht zuletzt angestossen von Papst Johannes Paul II, nahm ein bitteres Ende. Bitter auch weil gerade jener Papst von rechten Kräften in seiner eigenen Kirche, wegen seiner positiven Haltung dem Judentum gegenüber, angefeindet, diffamiert, und mit anti-judaistisch-/anti-semitischem Eifer bekämpft wurde.

Auf dem Weg des Dialoges sind Juden und Christen noch nicht viel weiter gekommen. Papst Benedikt weckt Hoffnungen. Wir werden sehen.

Der Stillstand/Rückschritt des Dialoges ist, nach meinem Erachten, eine Verpflichtung für Christen guten Glaubens (!) den Dialog mit den Geschwistern im Judentum zu Suchen und zu Finden. Gegensätzliche Meinungen sollen dabei nicht totgeschwiegen werden. Das widerspricht jeder Idee eines Dialoges.

Ergebnis eines Dialoges kann (und darf und soll) auch sein, gegensätzliche Meinungen stehenzulassen und zu respektieren. Aber auf den Respekt kommt es an. Diesen Respekt vermisse ich, auf christlicher Seite, im Dialog mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern. Deshalb wird es Zeit einen wirklichen Dialog zu beginnen, der ausser Worten, auch Taten zu bieten hat.