Marien-Erlebnis

In meiner Lieblingskirche steht eine schlichte Holzfigur der Heiligen Mutter Maria. Um die Figur herum sind vier Kerzen aufgestellt. Vor der Figur stehen zwei kleine Bänke. Man hat die Möglichkeit der der Mutter niederzuknien. Diese Figur ist, gerade in letzter Zeit, ein „Ort“ geworden, an dem ich meinen Kummer, meine Sorgen, auch manche Frustration, tragen kann. Gerade die Figur der Mutter ist es, die diesen Ort für mich zu einem warmen Ort, zu einem lebendigen Ort macht. Als ich gestern vor der Mutter Maria niederkniete, spürte ich, wie sich all das Druck in mir langsam anbaute. Man mag dieses Gefühl belächeln. Aber ich wünsche und allen, dass wir solche Orte finden, an denen wir loslassen, an denen wir in einen stillen Dialog treten können.

Zu diesem Dialog gehört, für mich, auch das Niederknien. Eine ganz unzeitgemässe Sache ist das Niederknien. Aber für mich bedeutet das Niederknien keine (Selbst)Erniedrigung, sondern einfach die Akzeptanz dessen, das ich nicht der Mittelpunkt bin, sondern eben die Figur der Maria und, durch diese Figur verkörpert, die heilige Mutter. Manchmal tut es gut, die Grössen neu zu ordnen. Denken wir nicht viel zu oft daran, der Mittelpunkt zu sein ? Und sind wir nicht gerade deshalb mit so vielen negativen Gedanken und Handlungen befrachtet ? Dadurch, das ich Niederknie, lasse ich alles hinter mir. Ein Dialog. Alles andere ist, erst einmal, für die Zeit des Dialoges, nicht mehr da. Ein weiser Denker hat diesen Dialog als „innere Reinigung“, als „Akt der Busse“ gedeutet. In meinem Fall liegt er richtig mit dieser Deutung.

Nach dem Dialog mit der Mutter Maria fühlte mich von aller Last befreit. Was kann es Schöneres geben ?

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