Das Fanal von Odessa und die EU

Es waren schlimme Stunden in Odessa. Mit einem solchen Ausgang der, von Moskau organisierten, pro-russischen Demonstration, mitten in der Ukraine, hätte wohl niemand gerechnet. Letztlich ist die Rechnung der Mordgesellen des Herrn Putin aber aufgegangen. Mehr als 40 Tote, Hunderte von Verletzten (wobei die Zahlen schwanken) liegen nun zusätzlich auf den Schultern des russischen Präsidenten, der sich für Stalin zu halten scheint. Seine Politik der Landnahme, der Invasionen und der Einschüchterung, hätte Stalin vermutlich eifersüchtig werden lassen. Wie es nun weitergeht in der Ukraine, welche Spielart des Moskauer Terrors die nächste ist, wissen wir nicht. Letztlich erweisen sich auch die Kuschelsanktionen der EU als zahnlos. Herr Putin weiss, dass es keine wirklich nachhaltigen Sanktionen geben wird. Insofern trägt auch die EU ein Stück der (Mit)Verantwortung für die gegenwärtige Entwicklung. Kuschen vor Diktatoren aller Art ist eine Grundvoraussetzung der gegenwärtigen EU-Politik. Den Preis zahlt die „Generation Maidan“. Die Menschen sind für eine pro-westliche, pro-europäische Politik auf die Strasse gegangen. 100 Menschen haben ihr Leben alleine in dieser Phase der russischen Aggression gelassen. Nun wird die Generation Maidan erkennen, das Europa eben nicht für Freiheit und Menschenrechte steht. Demokratiebewegungen wurden, von der EU, noch nie unterstützt. Insofern ist auch die EU kein Projekt, das Unterstützung verdient. Mich interessiert nicht die Debatte um Bananen, Energiesparlampen oder den Euro. Es geht mir um mehr. Es geht mir um die Frage, welchen Einsatz Europa für Menschen zeigt, die für (angeblich) gleiche Werte (darunter Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Eigenstaatlichkeit) auf die Strasse gehen. Die Bilanz der EU ist verheerend. Das musste, wie gesagt, die Generation Maidan schmerzlich erfahren. Was ist ein Europa wert, das bestenfalls ein Wirtschaftsbündnis, aber eben kein Wertebündnis, ist ? Diese Frage sollte sich jede/r selbst beantworten.