Fremde Feder „Erev yom ha Zikaron“

Der Vorabend des Gedenktags für die Gefallenen ist heute abend. So kurz nach dem Holocaust-Gedenktag, es ist jedes Jahr so schwierig. Dazu überrollt uns gerade eine Hitzewelle, die heute die Temperaturen auf über 35 hochgetrieben hat – es ist jetzt kurz nach neun Uhr abends und immer noch über 30 Grad heiß. Morgen werden bestimmt auf den Friedhöfen Leute ohnmächtig.

Wir haben es nicht geschafft, wie geplant der Zeremonie im Kibbuz beizuwohnen. Dafür hat sich Quarta hier im Dorf an der Zeremonie beteiligt und einen Text vorgelesen. Einer der Gefallenen des Dorfs war der große Bruder eines ihrer Schulkameraden. Und wir wohnen ja im Haus, das ein weiterer Gefallener des Dorfs ausgebaut hat.

Hinterher haben wir die offizielle Zeremonie an der Westmauer (Klagemauer) in Jerusalem im Fernsehen gesehen, Peres hielt eine Rede, der Ramatkal. Den Kranz legte die Witwe des jungen Mannes nieder, der ganz in der Nähe, in Rosh ha Niqra, von einem libanesischen Soldaten erschossen wurde.

Im Fernsehen wurde auch die Witwe des Polizeioffiziers gezeigt, der zu Pessach ermordet wurde – seine Frau und die Kinder waren mit ihm im Auto, unterwegs zu Oma und Opa zum Seder-Abend, als ihnen ein Bewaffneter auflauerte und ins Auto schoß. Sterbend drückte der Vater noch aufs Gas, die verletzte Mutter steuerte das Auto weiter, sie und die Kinder überlebten. An diesem Tag gedenken wir auch der Opfer des Terrors.

Alles sehr schwierig, es geht immer weiter. Morgen abend um die Zeit kommt dann wieder dieser Umschwung zur Feier des Unabhängigkeitstags. Beide Feiertage erhalten durch diese Kopplung eine ganz besondere symbolische Kraft.

Ich hoffe immer noch, gemeinsam mit Peres, daß das eines Tages ein Ende haben wird, daß irgendwann der Konflikt beendet werden kann, daß irgendwann Israel anerkannt wird von den arabischen Staaten und Völkern, und in Ruhe leben kann. In sicheren Grenzen. Bisher ist das nicht so. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.