Vom Sterben im Krankenhaus

Da stirbt ein Mensch. Es ist ein einsamer Tod. Mitten in einem Krankenhaus. Mitten in Deutschland. Der Sohn findet die verstorbene Mutter tot in ihrem Bett. Die Schwestern haben nichts bemerkt. Niemand hat etwas bemerkt. Obwohl der Tod nicht überraschend kam.

Der Tod kam nicht überraschend. Der Tod war eine Erlösung. Die „alte Frau“ wollte nichts sehnlicher als diese Welt zu verlassen. Chemotherapien. Letztlich eine Lungenentzündung, die zum Tod führte. Die Unmöglichkeit, in der eigenen Wohnung zu leben. Das Heim. Nein, sie war nicht mehr glücklich in dieser Phase ihres Lebens. Zwei ihrer Schwestern sind vor ihr gegangen.

Ich hatte ein paar Mal die Gelegenheit diese Frau zu besuchen. Im Rahmen meines ehrenamtlichen Dienstes in diesem Krankenhaus. Bei den ersten Besuchen war sie noch voller Kraft. Beim letzten Besuch war der, erwartete, ersehnte, Tod schon zu spüren. Da lag nur noch eine körperliche Hülle im Bett. Geschwächt von Therapien die letztlich unsinnig waren. Wann werden Therapien zur Qual ? Sie war eine ruhige Frau. Hat viel über sich ergehen lassen. Zuletzt fehlte die Kraft zum Widerstand.

Sie war eine gläubige Frau. Gerade beim letzten Besuch haben wir viel gebetet. Sie war sich der Hilfe ihres Gottes sicher. Und ich bin sicher das Gott ihr beigestanden hat. In der letzten Lebensphase, den letzten Lebensstunden, die doch so wenig Leben und so viel Sehnsucht nach der besseren Welt tragen konnten.

So ist ein Mensch gestorben. Würdelos in einem „Gesundheits“System, das den Tod immer noch als Niederlage sieht anstatt diesen Weg alles irdischen zu akzeptieren und zu gestalten.

Was können Ehrenamtliche an dieser Situation ändern ? Meine Besuche sind immer nur ein sehr kleiner Tropfen auf einen sehr heissen Stein. Ein bisschen Ablenkung. Vielleicht ein bisschen Freude. Die Erfahrung der Geborgenheit im Beten. Das ist nicht viel. Aber besser als nichts.

Ich würde mir wünschen das ein Bewusstsein für die Würde des Sterbens im deutschen Gesundheitswesen, gerade im stationären Bereich, entstehen würde.

Die besagte Patientin werde ich in meine Gebete einbeziehen. Und auch ein Besuch auf dem Friedhof ist möglich.

Was mich tröstet, ist die Sicherheit, das Gott auch dieses Sterben begleitet hat. Sie lebt jetzt in einer besseren Welt, jenseits aller Chemotherapien. Jenseits aller Lungenentzündungen. Jenseits aller Gleichgültigkeit eines Gesundheitswesens, in der Menschen nur dann zählen, wenn sie wieder gesund werden.