Ein trauriger Tag in Israel

Heute ist es wirklich schwierig israelisches Fernsehen oder Radio zu konsumieren. Denn heute ist Yom Ha Zikaron, der Tag des Gedenkens an die getöteten Soldaten und die Opfer des Terrorismus. Genau genommen bgegann der Yom Ha Zikaron gestern, bei Einbruch der Dunkelheit. Leider wird die Liste jeden Tag länger. Der heutige Tag ist, neben dem Holocaust Gedenktag, der schwerste im Kalender des Landes Israel. So viele Geschichten des Leidens und des Todes.

Noa berichtet aus Israel:

Ich kann sicher nicht den Schmerz der Familien in aller Tiefe nachvollziehen. Aber ich trauere. Auch eher fuer mich allein. Denn wer sollte MEINEN Schmerz vestehen, ich, die ich keinen Angehoerigen (G-tt sei dank) in irgendwelchen Kriegen verlor, die niemanden (G-tt sei dank) zu betrauern hat, der dem Terror zum Opfer fiel?
Es ist laecherlich was ich empfinde  – aber ich empfinde es. Die Trauer um jeden Soldaten, jedes Terroropfer, Har Nof ist noch so nahe und es ist meine Gegend, wo ich Patienten habe, und auch einige die Augenzeugen waren. Ihre Beschreibungen sind grauenvoll.
Jeder geht anders mit der Trauer um. Jeder. Auch jede Familie.
Manche nehmen an Gedenkveranstaltungen teil. Erzaehlen ueber den Sohn, den Ehemann, und den Tag, an dem an ihre Tuere geklopft wurde und sie es bereits ahnten.
(…)
Der Gedenktag für die Gefallenen der israelischen Armee, der Sicherheitskräfte und der Terroropfer ist gekommen. Jedes Mal kommt er als eine zu erwartende, und unausweichliche Einleitung zu dem Geburtstag unseres Staates. Er bäumt sich vor uns auf wie ein großes, angsteinflößendes, schweres Eingangstor. Hinter ihm erkennt man einen dunklen Korridor, und an seinem Ende blinzelt mit angenehmen, hellen Strahlen der Ausgang entgegen – der gleichzeitig der Eingang in eine Festhalle ist, und in ihr findet man Freiheit, Unabhängigkeit, und Seelenruhe. *

Und ein jeder, der sich hier in unserem Staat befindet, ob bewusst oder unbewusst, muss diesen Korridor überwinden, um in die Halle einzutreten. Unsere Nation hat sich für diesen Gedenktag an einen interessanten Brauch gewöhnt – welcher nicht nur den Besuch auf den Friedhöfen, das Anzünden von Kerzen und das Vortragen von herzzerreißenden Reden beinhaltet. Nein, es gibt auch Gesang. “Wir singen und erinnern uns” – nach diesem Motto veranstalten fast jede Gemeinde und jeder Ort ein Zusammentreffen an diesem Tag, und betont das Singen. Denn Gesang öffnet Herzen. Gesang verbindet. Er bring die Seele zum blühen, und auch wenn nur für einen kurzen Augenblick, so streckt der Gesang doch seine zarten Melodien wie Arme in einer liebenden Umarmung aus und versucht, die Lücke im Herzen zu überbrücken.

(…)
Bei Chaja fand ich auch dieses Bild des Grauens. Es geht um die Zahl:
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23.320 Menschen. 23.320 mal Trauer, Wut, Hilflosigkeit. 23.320 mal bleiben geliebte Menschen zurück. 23.320 Mal die schreckliche Nachricht. Aber auch 23.230 mal gemeinsam gedenken, gemeinsam trauern.

So sieht, zum Beispiel, palästinensischer Terrorismus aus. Vorsicht, die Bilder sind schrecklich. Aber die Bilder beschönigen nichts.

Gibt es etwas Gutes an diesem Tag ? Das gute ist, das die Menschen zusammenhalten. Der Terrorismus kann das Volk nicht spalten. Der Terrorismus lässt Israel zusammenrücken. Wenigstens das.