Eine Rezension zum Lesebefehl

„Israel ist an allem schuld“

Erst denken, dann reden

Von Hubertus Volmer

Man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen, ohne Antisemit genannt zu werden. Der Satz ist so wahr wie perfide. Man kann ein Buch darüber schreiben.

Eigentlich hatten die Journalisten Esther Schapira und Georg Hafner ein „Schwarzbuch Antisemitismus“ geplant. Doch dann kam der Gaza-Krieg. Und die Demonstrationen in Deutschland, auf denen „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ zu hören war. Und die Kommentare, in denen ausführlich betont wurde, es sei kein Antisemitismus, Mitleid mit den Palästinensern zu haben. Schapira und Hafner schrieben ein anderes Buch. Es heißt: „Israel ist an allem schuld.“

Vor allem die Verlogenheit des Mitleids geht Schapira und Hafner auf die Nerven. Ja, den Palästinensern geht es schlecht. Aber niemand fragt, ob das vielleicht auch an ihren eigenen Politikern liegt. Und niemand interessiert sich dafür, dass Palästinenser im Flüchtlingslager Jarmuk in Syrien derzeit von der Terrormiliz Islamischer Staat abgeschlachtet werden, wie Schapira am Dienstag bei der Buchvorstellung in Berlin sagte. Wenn israelische Soldaten etwas Ähnliches täten – was unvorstellbar sei -, dann wäre die Aufregung gigantisch.

Woher kommt die Heftigkeit, mit der Israel in Deutschland kritisiert wird? Warum prangern die sogenannten Israel-Kritiker andere Krisenherde nicht mit derselben Vehemenz an? Könnte es sein, dass die Kritik an Israel einem ganz anderen Zweck dient? Dem, sich selbst zu entlasten? Nicht selten liegt dieser Verdacht nahe.

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