„Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom“

Mona Yahia beschreibt eine Welt die nicht mehr ist. Sie beschreibt das die Geschichte, das Leben und das Verschwinden der irakischen Juden. Und sie schildert den Neuanfang in Eretz Israel. Sie beschreibt aber auch, wie in Eretz Israel die Sehnsucht nach dem ehemaligen Leben in einer Stadt namens Bagdad immer wieder in ihren Erinnerungen hochkommt. Damals, als der dunkle Fluss noch floss. Die „Babylonische Gefangenschaft“ lässt an die Juden vor dem Exodus denken.

Die Gefangenschaft in Ägypten, die Dunkelheit, die Opfer, der Aufbruch. Pessach. Dazwischen Klagen, Verzweiflung und menschliche Tragödien, die Moses an den Rand des geistigen Abgrunds trieben. Dabei war Haschem die ganze Zeit dabei. Er war „nur“ nicht sichtbar. Er wurde sichtbar durch Moses. Schliesslich erreichte das umherziehende jüdische Volk das gelobte Land. Moses durfte das gelobte Land aber nicht betreten. Er hatte gesündigt. Er hatte versucht, dem Willen Haschems „Nachdruck“ zu verleihen. indem er, mit seinem Stock, auf einen Fels schlug. Er hoffte, das auf diese Art Wasser auf dem Fels sprudeln würde. Ist die menschliche Verzweiflung, im Angesicht der Wüste über kein Wasser mehr zu verfügen, nicht menschlich nachvollziehbar ? Macht die gezeigte Tatkraft Mose nicht sogar menschlich ? Gerade sympathisch ? Und doch bestraft Haschem ihn, weil er wenig G“ttvertrauen bewiesen hat.

Diese Vertreibung aus dem Exil traf auch die irakischen Juden. Aber die Fortsetzung der Erzählung ist eine gute. Die Flüchtlinge trafen im Heiligen Land ein. Die jüdischen Spuren, die Gemeinschaft, die Bauwerke jüdischen Lebens, sind aus dem Irak verschwunden. Sie wurden vernichtet. Aber die Menschen mit ihrer Wärme, mit ihren Traditionen, mit ihren Erinnerungen, konnten nicht ausgelöscht werden. Ein Sieg der menschlichen Geschichte.

Mona Yahia beschreibt ihre Gemeinde  in Bagdad. Eine gefährdete Gemeinde, immer schon diskriminiert, nach dem Sechstagekrieg aber wurde die Situation unerträglich. Aus den unterschwelligen Gefühlen der Bedrohung ist nun eine handfeste Realität geworden. Mona Yahia erkannte, das ihre Familie in Bagdad keine Zukunft haben würde.

Ihre Erinnerungen an Bagdad sind von einer Melancholie geprägt, die sich in farbigen Bildern und intensiver Sprache ausdrücken. Man meint die Gerüche selbst zu riechen, die Farben selbst zu sehen, die Geschichten selbst zu hören.

Und doch ist alles verloren. Erinnerungen.

Aber da ist auch ein neues Leben in Eretz Israel. Dem jüdischen Staat, aus dem – G“tt behüte – Juden nicht vertrieben werden können.

So ist der Titel „Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom“ auch Ausdruck der Hoffnung.

Der dunkle Strom wird immer fliessen. Und mit diesem Strom werden Erinnerungen, Gerüche, Geschichten und Farben fliessen.

Wie der dunkle Strom kann auch die jüdische Geschichte im Irak, das Babylonien, nicht unsichtbar gemacht werden.

Das Buch von Mona Yahia ist somit auch ein Buch gegen das Vergessen.