Muttergefühle

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Dieses Bild gibt sehr gut wieder, was ich fühle, wenn ich an meine Mutter denke.

Meine Mutter gibt (und gab) mir das, was mein Vater nicht vermochte: Ruhe, Geborgenheit, Liebe, Zeit, Optimismus – und die Liebe zum gedruckten Wort.

Es gab bei uns zu Hause keinen Fernseher. Ich besitze bis heute keinen. Aber es gab immer Bücher. Auch wenn die Bücher ausschliesslich Sache meiner Mutter waren, habe ich Stunden in der Bibliothek verbracht.

Eine der schönsten Erinnerungen an meine Kindheit waren die langen Stunden des Vorlesens, damit ich einschlafen konnte. Jeden Abend, immer um die gleiche Uhrzeit, das gleiche Ritual. Und damit verbunden das Einüben von Beständigkeit und Vertrauen.

Bei uns zu Hause gab es immer „nur“ ein konseratives Familienbild. Der Vater war für die materiellen Dinge zuständig, die Mutter für die Erziehung des einzigen Kindes. Mehr waren nie vorgesehen und gewollt. Meine Mutter war da konsequent.

Von meiner Mutter lernte ich auch Tugenden wie Neugierde, Optimismus, Nachdenklichkeit, die Liebe zur Natur, die Freude an hellen Farben, die Liebe zu den Tieren.

Auf der anderen Seite waren da aber auch die Narben einer schlimmen Kindheit in einem religiösen Elternhaus. Auch wenn meine Mutter immer versuchte mich zu schützen, kamen die Erinnerungen manchmal hoch. Dann gab es Traurigkeit, Unsicherheit.

Meine Mutter war immer da. Ich besuchte nie einen Kindergarten und auch die Schule war nach den Unterrichtstunden vorbei. In gewissem Sinne erlebte ich eine ausgeglichene Mutter, weil, durch die materielle Sicherheit, die Konzentration uneingeschränkt der Erziehung des Kindes gelten konnte.

Von meiner Mutter habe ich auch gelernt, mich schnell und gründlich in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten. Die Hausaufgaben waren, so gesehen, auch ein Lernprogramm für Mutter und Sohn.

Ich bin ein Kind meiner Mutter. Ein Mutter-Kind.

Die Gefühle meinem Vater gegenüber sind ziemlich kontrovers.

Die Gefühle meiner Mutter gegenüber sind viel positiver.

Ich hoffe die Aufteilung ist gerecht.