Zwei Lehren aus der Wahl in Bremen

Die Wahl in Bremen ist nicht unbedingt wegen des Wahlergebnisses interessant. Es sind zwei Dinge, die mich nachdenklich machen und die einen möglichen Ausweg aus der Krise andeuten:

1) Die Wahlbeteiligung ist peinlich gesunken. Genau die Hälfte aller Wahlberechtigten sind zur Wahl gegangen. Wenn wir alle Wahlberechtigten betrachten, sehen wir folgendes Ergebnis:

Bürgerschaftswahl Bremen 2015

Mich beunruhigt dieses Schauspiel schon und ich weiss auch keine Lösung. Scheinbar sind die politischen Parteien nicht mehr in der Lage Menschen zu begeistern. Wenn wir die Parteimitglieder abziehen, sieht das Ergebnis noch schlimmer aus.

Neben Parteien, die wenig bis nichts mehr zu bieten haben, fehlt die Polarisierung. Es fehlt das grosse Thema. Es wird immer schwieriger für Parteien sich abzugrenzen.

Wie wichtig es ist, und welche Wirkung es haben kann, charismatische Persönlichkeiten in seinen Reihen zu haben, zeigt diese Frau:

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Lencke Steiner, parteilos, hat es geschafft, für die FDP ein sensationelles Ergebnis zu erzielen. 6,5 Prozent hat die FDP erzielt, und das lag sicherlich nicht zuletzt an der Spitzenkandidatin. Das Beispiel Lencke Steiner zeigt, das gerade auch parteilose Spitzenkandiaten(innen) beste Ergebnisse erzielen können. Es war, im Fall von Frau Steiner, ganz klar eine Personenwahl. Gestern habe ich Frau Steiner im TV gesehen, als sie, nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses vor ihre Anhänger trat, und fand sie irgendwie sympathisch. Nicht so blass und selbstgerecht wie alte Politikstrategen oder wie Menschen, die Zeit ihres Lebens eine politische Karriere geplant haben.

Ein anderes Beispiel, wie Persönlichkeiten ihre Wahlergebnisse „schneidern“ ist Kristina Schröder. Frau Schröder schafft es ihren Wahlkreis in Wiesbaden direkt zu gewinnen. Frau Schröder ist nicht parteilos, sondern Mitglied der CDU.

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Was mich an der Wahl in Bremen auch ein bisschen traurig macht ist das Abscheiden der Grünen. Nun dritt stärkste Kraft in Bremen. Da ist ein Grüner schon enttäuscht ;-(

Politik zum Abgewöhnen boten gestern, wieder einmal, die Politiker aus Berlin. Welche Selbstgerechtigkeit. Zum K*tzen. Vielleicht ist es, ohne Schuldzuweisungen verteilen zu wollen, auch diese bornierte Selbstgerechtigkeit, die Wähler von den Urnen fernhält ?

Ich denke, wir brauchen in Deutschland wieder Polemisierung durch Sachthemen und Persönlichkeiten, die Menschen ansprechen. Ich glaube nicht, das die Menschen Politikverdrossen sind. Ich glaube die Menschen sind Poltikerverdrossen. Und das völlig zu Recht.

Die gute Nachricht ist, das Menschen wie Lencke Steiner und Kristina Schröder zeigen, das dieses Problem zu lösen ist.

Neue Politiker braucht das Land !