Gysi geht und schweigt

Ich kann mich dem Medienspektakel um den Abgang von Gregor Gysi nicht anschliessen. Das Gysi endlich geht ist keine Tragödie, sondern ein Schlag ins Gesicht der SED Opfer. 25 Jahre hat sich ein Mann an der Spitze einer Wendehals Partei gehalten, der nicht nur bis zum Hals in den Verstrickungen der SED steckte. Was ich schlimm finde ist nicht nur diese Verstrickung. Viel schlimmer finde ich die Leugnungen und Windungen des Herrn Gysi. Und auch in der Abschiedsrede, die durchgeprobt bis zur letzten Träne war, kann mich nicht überzeugen. Da versucht einer, mittels Emotionen, weiter zu Vertuschen und von der eigenen Schuld abzulenken. Ich stimme Reinhard Mohr in der BZ zu, der sich nicht in den Chor der Schweiger und Heuchler einordnet.  Er schreibt:

Das Wichtigste beim Gysi-Rücktritt wird unterschlagen…

…denn trotz der großen öffentlichen Rührung war Wendehals Gysi stets ein treuer Gefolgsmann der Unrechtspartei SED, findet Autor Reinhard Mohr.

Zusammen mit Oskar Lafontaine trug Gysi dazu bei, dass durch die Vereinigung von PDS und WASG zur Linkspartei jede Menge altkommunistische Kader aus Westdeutschland in den Bundestag strömten, Leute, die Gysi inzwischen selbst für gefährliche “Spinner” hält. Zu spät.

Wahrscheinlich ist es auch zu spät dafür, dass Gysi endlich reinen Tisch macht. Dass er von 1975 bis 1986 unter den Decknamen “IM Gregor” und “IM Notar” für die Stasi gearbeitet habe, bestreitet er seit 25 Jahren unermüdlich, obwohl der Deutsche Bundestag dies nach gründlicher Prüfung mehrmals offiziell festgestellt hat. Und immer noch läuft gegen ihn in Hamburg ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen”„falscher eidesstattlicher Versicherung”.

Ob es zur Anklage kommt, wird dieser Tage entschieden. Einfacher wäre es, Gysi würde sich endlich zur Wahrheit bekennen. Dann, aber auch nur dann, hätte er den Respekt aller verdient.