Virtuelle Friedhöfe

Auch das Sterben geht mit der Zeit. Natürlich wird, in der Regel, noch ganz stofflich, auf Friedhöfen beerdigt. Aber es gibt längst eine Entwicklung hin zu virtuellen Friedhöfen. Das finde ich gar keine schlechte Idee. Den virtuellen Friedhof kann jede/r jederzeit besuchen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Familien oft Tausende Kilometer weit entfernt, an ganz verschiedenen Orten, ihren Lebensmittelpunkt haben, ist es hilfreich, trotzdem „mal eben auf den Friedhof gehen zu können“ wenn einem danach ist. Längst kann man auch virtuelle Gräber schmücken, man kann eine Kerze anzünden, man kann Gebete schicken. Oder einfach nur am virtuellen Ort sein. Bisher ist das, für viele Menschen, ein etwas merkwürdiger Gedanke. Meine Eltern können gar nichts mit der Idee anfangen. Allerdings sind beide auch nicht unbedingt technikaffin. Ich selbst entwickle eine gewisse Begeisterung für die virtuelle Welt.

Für den Ölberg in Jerusalem, auf dem religiöse Juden aus aller Welt begraben werden wollen, gibt es auch so einen virtuellen Friedhof. Eine virtuelle Welt, die doch Teil des ganz realen Jerusalems ist.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Virtualisierung der Friedhofskultur immer mehr durchsetzen wird. Den herkömmlichen Friedhof wird diese Entwicklung nicht ersetzen. Es geht um eine sinnvolle Ergänzung.