Disability Pride Parade

Menschen mit einer „Behinderung“ gehen selten für ihre Anliegen auf die Strasse. Doch gehen wir einen Schritt zurück. Was sind eigentlich „Behinderungen“ ? Was ist eigentlich „Behindert“ und was ist „Normal“ ? Wer bestimmt das eigentlich ? Und wer urteilt über die Lebensqualität von Menschen ?

Die erste Parade dieser Art fand 1990 in Boston statt. 2004 wurde Chicago zum Ort der größten Disability Pride Parade in den USA. Dort findet jedes Jahr im Juli eine Parade statt, die Menschen mit Behinderungen aus dem ganzen Land, aber auch internationale Gäste anzieht.“

„Wir pfeifen auf Eure Diagnosen.“

Dieser Slogan stand auf einem der Plakate bei der Disability Pride Parade in Berlin. Diagnosen sind wichtig für Patienten, die unter einer Erkrankung leiden, die (noch) keinen Namen hat. Betroffene beschreiben den Weg bis zur Diagnose immer wieder als den schwierigsten Weg. Ich kann das nur unterstreichen.

Diagnosen können aber auch dazu führen, das Menschen in Schubladen gesteckt werden. Verwaltet mit der Diagnose. Die Behandler haben, viel zu oft, keinen Blick mehr über die Diagnose hinaus.

Und auch „die Gesellschaft“ stellt Diagnosen, die Menschen in Schubladen stecken, geistig (oder tatsächlich) „wegsperren“. „Mir kann das nicht passieren“, „Der/die war schon immer labil“, „Bei denen liegt das in der Familie“, „Er/Sie kann ja nichts dafür“ oder einfach: „Bekloppt“ oder „Jagdschein“.

Das Menschen, die so etwas äussern, einmal selbst betroffen (getroffen) sein können, weisen diese weit von sich. Bis es passiert ist. Dann ist es wichtig zu vertuschen, zu beschönigen, Gründe zu erfinden. Das Stigma der „Behinderung“, körperlich und/oder geistig, es ist gross. Immer noch oder schon wieder.

Genau deswegen ist es wichtig, das „Behinderte“ sich selbst eine Lobby geben. Auf die Strasse zu gehen „um sich selbst zu feiern“ und/oder einfach auf die eigenen Anliegen aufmerksam zu machen. Ich wünsche mir, das die Disability Pride Parade zu einer Dauereinrichtung wird. Auch in Deutschland.

Demonstranten nehmen am 12.07.2014 in Berlin an der "Pride Parade 2014 - Behindert-Sein und Verrückt-Sein feiern" teil. Die Parade soll ein fröhlicher Protest gegen Barrieren und Benachteiligung und Ausgrenzung von Behinderten sein. Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++