„Sechs Jahre“

Eigentlich bin ich kein wirklicher Freund der Literatur von Charlotte Link. Etwas zu seicht finde ich. Aber das ist nicht weiter wichtig.

Charlotte Link hat ein erstes Buch geschrieben, das belletristisch ist.

„Sechs Jahre“ heisst das Buch. In der „ersten Schicht“ beschreibt das Buch einen Sterbeprozess. Genauer gesagt geht es, sozusagen in der „zweiten Schicht“ um das Sterben ihrer geliebten Schwester Franziska.

Franziska muss eine faszinierende Persönlichkeit gewesen sein. Immer aktiv im Schutz von Tieren. Mutter zweier Kinder. Freigiebig bis über die Grenzen des eigenen Kontos hinaus. Eine liebende Mutter, eine verlässliche Lebenspartnerin. Eine grossartige Schwester. Und eine Kämpferin gegen verschiedenste Krankheiten. Letztlich wird eine Lungenblutung das Leben von Franziska beenden.

In der „dritten Schicht“ aber kommen wir dem eigentlichen Thema näher: Wie erlebt (und überlebt) eine Familie das langsame Sterben eines geliebten Menschen ? Zum Beispiel kann Franziska irgendwann nicht mehr essen, ihre Kräfte lassen merklich nach, sie kann kaum noch laufen. Immer neue Hiobsbotschaften. Krankenhausaufenthalte von Franziska bestimmen zunehmend das Leben der Familie.

In der „vierten Schicht“ ist unser Buch eine Abrechnung mit dem deutschen Krankenhaussystem, das, viel zu oft, unmenschlich, technokratisch, kalt, ist. Man ist auf Menschen angewiesen, die nicht immer emphatisch sind. Das ist alleine mit einer Arbeitsüberlastung nicht zu erklären. Da ist auch die Macht über einen anderen, schwachen, viel zu oft wehrlosen Menschen, im Spiel. Niedere Impulse können da ins Spiel kommen. Ich habe, auf der anderen Seite, auch erlebt, wie Menschen behandelt werden, die sich nicht ins System einpassen und es wagen, Kritik zu üben. Viel zu oft ist das Krankenhaus selbst schwer krank.

Es gibt natürlich auch andere Krankenhäuser. Auch diese beschreibt Charlotte Link am Beispiel der Hochtaunsklinik Bad Homburg und des dort leitenden Oberarztes Dr. Althof.

„Sechs Jahre“ – ein Buch mit vielen Schichten. Nicht zuletzt „spannend“ geschrieben. Ist „spannend“ das richtige Wort bei diesem Thema ? Jedenfalls ein Buch voller Traurigkeit, Freude, Wut, aber auch Hoffnung.

Das Letzte Kapitel „Danach“ ist ein Brief an die tote Schwester. Man spürt den Kampf um die Wörter, die unglaubliche Wucht der Wörter. Nicht zuletzt ist die Hoffnung spürbar. Charlotte wird ihre Schwester Franziska wiedersehen. In einer besseren Welt. „Warte. Ich komme nach.“