Die Fassade

Eine der „Markenzeichen“ meiner Depression ist die Fassade. Das war gestern ein Thema beim Termin mit der Psychiaterin.

Sie meinte das „alles immer weggelächelt wird“ und „das sie nicht hinter die Fassade schauen kann“.

Das ist wirklich so. Nach aussen wirke ich immer entspannt und freundlich. Was in mir vorgeht, verdränge ich im Kontakt mit anderen Menschen.

Sobald die Wohnungstür geschlossen ist, bricht die Fassade zusammen. Dann ist der „wahre“ Grenzgänger wieder da.

Diese „Fassade“ ist sicherlich ein Markenzeichen der Depression.

Depressive Menschen bemühen sich, die Fassade zu wahren. Das kostet unglaublich viel Kraft. Und doch scheint es nicht möglich zu sein, Kraft zu sparen und die Fassade einzureissen.

Aber will ich eigentlich dass andere Menschen wissen, wie ich mich fühle ?

Was wäre, wenn die Fassade einbricht ?

Nun, beim Grenzgänger wird die Fassade nicht einbrechen. Dazu ist die jahrelange Routine zu stark.

Weder Therapie, noch Klinik, noch ambulante Behandlung, noch Medikamente, konnten die Fassade wirklich angreifen.

Gerade wenn es mir besonders schlecht geht, ist die Fassade am intensivsten.

Niemand soll merken, wie es mir wirklich geht.

Ich bin mir dass selbst schuldig. Ich will nicht schwach sein.

Aber was ist „schwach“ ?

Und ist die „Beurteilung“ durch andere Menschen wirklich so wichtig ?

Warum kann ich nicht so sein wie ich bin ?

Warum kann ich nicht sein was ich fühle ?

Welche Angst hält mich zurück ?