Hilflosigkeit

Es sind Tatsachen, die noch vor wenigen Wochen undenkbar waren. Deutschland unterbindet den Zugverkehr aus Österreich. An den deutschen Grenzen finden wieder Grenzkontrollen statt.

Auf der anderen Seite gibt es unendlich viel Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur aus weiten Teilen der Bevölkerung. Auch die Berichte aus Dortmund sind überwältigend.

Den Zugverkehr zu unterbinden, Grenzkontrollen einzuführen, das hat Schlagzeilencharakter und findet bei der braunen Brühe und den emotional, aber nicht sachlich, denkenden Schichten der deutschen Bevölkerung Zuspruch. Dass die Flüchtlinge in anderen Staaten, zum Beispiel in Ungarn, noch schlimmer behandelt werden, stützt eher die These des Schlagzeilencharakters.

Es geht letztlich um die Frage, wer tatsächlich politisch verfolgt ist. Für politisch Verfolgte hat das Asylrecht weiterhin und ohne Einschränkung zu gelten.

Statt Phrasen zu dreschen, ist eine sachliche (!) Diskussion über die Frage notwendig, warum so viele Asylsuchende nach Europa, darunter auch (!) nach Deutschland kommen.

Es ist an der Zeit, die Flüchtlingskrise nicht in Europa, sondern in den Herkunftsländern der Flüchtlinge selbst, anzugehen. Es darf nicht darum gehen, Flüchtlinge zu bekämpfen. Es muss darum gehen. Fluchtgründe zu bekämpfen.

Einer der Fluchtgründe ist auch die Armut in den Herkunftsländern. Eine Armut übrigens, an der Deutschland (Europa, die Industriestaaten) mitschuldig sind. Hat schon einmal jemand darüber nachgedacht, warum zu es zu skandalösen Preisen Kleidung bei Primark gibt ? Die Sahne zu löffeln, ohne die Sahne zu bezahlen, ist unwürdig.

Es sollte bei der gegenwärtigen Debatte weniger um Emotionen und Hetzparolen gehen, sondern darum, die Gründe des Flüchtlingsstromes zu bekämpfen. Dumme Parolen kommen zwar gut an. Aber sie werden nichts ändern.

Wenn wir alle bei unserer kurzsichtigen und verlogenen Wirtschaftsweise bleiben, die auch vor der Zusammenarbeit mit Diktatoren nicht halt macht, dürfen wir uns über Flüchtlinge, die zu uns kommen, nicht beschweren. Das ist unredlich und verlogen.

Wenn wir die Klimakrise nicht endlich entschlossen angehen, werden Flüchtlingsströme nach Europa kommen, die wir uns in den wildesten Träumen nicht vorstellen können. In den Albträumen übrigens auch nicht.

Beschränkungen des Bahnverkehrs und Grenzkontrollen werden keine Hoffnungslosigkeit, keine Diktatur beseitigen. Es handelt sich um ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Schaut Euch mal dieses Video aus dem Jahre 2009 (!) an.

Das muss nicht kommentiert werden.