Wie solidarisch ist die Israel Solidarität ?

„Wer solche Freunde hat, braucht sich um Feinde nicht zu sorgen“. Das scheinen auch einige Mitglieder von Israel-Solidaritäts-Mailinglisten (was für ein Wortungetüm) zu denken.

Wie da, zum Beispiel, die israelische Verteidigungsarmee (IDF) heiliggesprochen wird, ist schon erstaunlich. Wie jede Armee der Welt macht auch die IDF Fehler. Wie alle Soldaten der Welt haben auch israelische Soldaten manchmal Angst. Wie (hoffentlich) alle Soldaten der Welt zweifeln auch israelische Soldaten an ihren Befehlen. Wie die meisten Mütter haben auch israelische Mütter Angst um ihre Kinder. Wie die meisten Mütter dieser Welt trauern auch israelische Mütter um ihre Söhne und Töchter.

Ich frage, ob diese Menschen, die sich selbst als Israel solidarisch erklären, jemals, abseits des Formellen, mit einem jungen Menschen gesprochen haben, der zur Armee muss.

Ich frage mich schon, ob die Mitglieder von Israel Solidaritätslisten jemals, abseits des Formellen, mit einer Mutter gesprochen haben, deren geliebtes Kind zur Armee muss.

Die Verherrlichung der israelischen Armee, die rituelle Trauer über die getöteten Soldaten, erinnern mich gelegentlich an die Festakte auf palästinensischer Seite, wenn ein Terrorist, nach erfolgreichem Attentat, getötet worden ist.

Manchmal frage ich mich, ob diese Menschen das wirklich denken. Oder ist sozialer Druck ein Teil des Denkens.

Wie da, zum Beispiel, die religiöse (Ultra)Orthodoxie verherrlicht wird, obwohl Teile dieser Bewegung den Staat Israel ablehnen, und obwohl (offiziell) Teile dieser Bewegung den Staat Israel nur deshalb nicht ablehnen, weil dieser Staat genau diese Bewegungen finanziert ?

In der (Ultra)Orthodoxie werden Menschenrechte, wird Meinungsvielfalt, wird die säkulare Lebensweise, wird die unbedingte Freiheit jedes Menschen missachtet.

Ich frage mich schon, ob Mitglieder von Israel Solidaritätslisten jemals mit Israelis gesprochen haben, die eine „linke“ politische Meinung vertreten. Die Haaretz lesen. Die Meretz wählen. Die zu Rabin Gedenkveranstaltungen gehen. Die eine Zwei-Staaten-Lösung propagieren.

Sind diese Menschen die bösen Israelis ?

Ich meine festzustellen, dass Mitglieder von Israel Solidaritätslisten politisch eher rechts angesiedelt sind. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn andere politische Meinungen akzeptiert würden. Werden sie aber nicht.

Die kleinliche, aber peinliche, aber schädliche, aber schäbige, Kritik an hagalil lässt in mir die Frage aufkommen, ob es Mitgliedern von Israel Solidaritätslisten wirklich um die konkreten Menschen geht. Oder geht es darum Gedankengut abzunicken und jede abweichende Meinung als „böse“ zu verurteilen ? Kritik an hagalil ist das eine. Sicherlich ist das auch legitim. Aber die Kritik aus angeblichen Solidaritätskreisen ist schlicht schäbig, weil s darum geht, andere Meinungen (linke Meinungen) als schlecht (um kein anderes Wort) zu gebrauchen, darzustellen.

Haben Mitglieder einer sogenannten Israel Solidarität jemals mit Israelis diskutiert ?

Was sagen diese Leute zur Buntheit des israelischen Meinungsspektrums ?

Ein Besuch in Israel, aber bitte mit Gesprächen mit „ganz normalen Israelis“ könnte das Bild des Staates Israel geraderücken.

Letztlich ist Israel ein Staat wie jeder andere. Sicherlich, es ist ein jüdischer Staat. So muss es bleiben. Aber jüdisch auf die Schoa zu reduzieren, ist unsinnig.

Ich empfehle einen Spaziergang durch Tel Aviv. Ohne Scheuklappen.

Geniesst die Zeit. Ganz ohne schwere Gedanken.

Ein paar Stunden am Strand. An Schabbes.

Vielleicht kommt ihr mit einem andren Bild dieses kleinen Landes zurück. Etwas israelischer Alltag kann Wunder wirken.

„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“. Das wusste schon David Ben Gurion.

Er hatte Recht.