Alles dreht sich … um Vater

Kennt ihr das ? Alles dreht sich um einen anderen Menschen in der Familie ? In diesem Falle um den Vater ?

Die Sache mit meinem Vater ist etwas schwierig. Typische Nachkriegsgeneration. Typisch materiell orientiert. Ja, es stimmt. Materiell mussten wir niemals leiden. Geld war immer da. Aber es gab eben keine Liebe, keine Zuneigung. Alles drehte sich um Leistung, Ansehen, Mehr-Haben – Wollen. Wachstum. Da blieb kaum Zeit für Zwischen-Menschlichkeit.

In der letzten Zeit, mit Abnahme der Leistungsfähigkeit meines Vaters, hat sich sein Zustand, gerade auch geistig, verschlechtert. Es gibt eine gewisse Grübelneigung, eine gepflegte Langeweile, eine Freudlosigkeit, , Interessenlosigkeit, intellektueller Rückzug.

Wäre das nur sein Problem, so wäre die Sache anders. Aber mein Vater reisst die Familie mit ins Chaos. „Familie“ im eigentlichen Sinne gibt es kaum noch. Es gibt nur diesen einen Menschen. Ein typischer Fall von Ko-Abhängigkeit.

Psychische Probleme haben immer nur die anderen. (In meinem Falle stimmt das sogar.) Nach langem Zögern habe ich meinen Vater dazu motiviert, eine Beratung in der Gerontopsychiatrie in Anspruch zu nehmen. Nach einem langen Gespräch sprach die Ärztin dort ziemlich deutlich mit meinem Vater. Sie legte ihm nahe, dass er an einer typischen Form von Altersdepression leidet und dass nun etwas unternommen werden muss. Schliesslich „einigten“ sich die beiden auf eine Dauerbehandlung und eine dauernde Einnahme eines Antidepressivums.

Ich glaube, verstanden und akzeptiert hat mein Vater das Ganze noch nicht. Da brauchte es die Rolle der „Frau im weissen Kittel“. Die hat nun geschafft, was dem Rest der Familie so lange nicht gelungen ist.

Was mein Vater mit dieser Situation macht, ist nun seine Entscheidung. Ich muss mich mehr um meine eigene Situation kümmern. Ko-Abhängigkeit ist auf Dauer ungesund. Wenigstens das habe ich, in meiner eigenen Therapie, gelernt.