Somatisierte Angst

Da ist sie wieder. Die alte Begleiterin mit dem Namen Somatisierung. Herzlich Willkommen also in diesem Theater.

Nein, das ist kein Zynismus. Ich habe, schon vor einigen Jahren, in der Tagesklinik, gelernt, dass es sinnvoll sein kann, Erkrankungen, wie eine alte Freundin zu begrüssen. Manchmal gelingt das, manchmal nicht.

Was mich heute plagt, das kommt übrigens öfters vor, ist eine Somatisierung meiner Angststörung. Im verlinkten Artikel ist zu lesen, was eine Somatisierung ist.

Heute plagt mich ein Gefühl im Brustbereich, der sich anfühlt, wie ein schwerer Stein. Es ist schwer zu beschreiben, wie sich das anfühlt. Ich wünsche aber niemanden dieses blöde Gefühl. Der Begriff „Steinplatte“ ist ein guter Beschreibungsversuch.

Das positive ist die zeitliche Begrenzung. Ich weiss, dass dieses Gefühl verschwindet und das ich mich nicht allzu sehr davon, in meinen Aktivitäten, abhalten lassen darf. Eine Vermeidungsstrategie habe ich viel zu Lange gelebt. Das macht alles nur noch schlimmer. Irgendwann traut man sich gar nicht mehr aus dem Haus. Liegt nur noch im Bett. Im angedunkelten Zimmer. Da geben sich Angst und Depression die Hand. Nein, soweit darf es nicht wiederkommen.

Ich freue mich darüber, meine alten Interessen wieder leben zu können. Trotz aller schlechten Phasen rutsche ich nicht mehr in die Interessenlosigkeit ab. Das ist (auch) ein Ergebnis einer tollen Mischung aus Verhaltenstherapie und einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Das ist insofern ungewöhnlich, weil beide Therapieformen eigentlich nie kombiniert werden. Beide haben ihre strikten Befürworter(innen) und Gegner(innen) Ich hatte mal wieder Glück mit Menschen. Meine Psychotherapeutin gehörte insofern keiner Denkschule an, weil sie beide Formen der Therapie gemischt hat. Sowohl in die Tiefe gehen, als auch, ganz handfeste, Techniken vermitteln, wie ein Mensch mit Panikanfällen umgehen kann.

Früher bin ich, bis endlich die richtige Diagnose gestellt wurde, unendlich oft in Notaufnahmen und auch auf Überwachungsstationen gelandet. Der Weg zur richtigen Diagnose war der schwerste Teil des Weges.

Also ist, im Moment, wieder Somatisierung angesagt. Das geht vorüber.