Endlosschleifen

Diesmal habe ich es nicht getan. Ich habe mich der Endlosschleife von immer gleichen Bildern von Grauens, von immer gleichen Kommentatoren des Grauens, von immer gleichen Gemeinplätzen des Grauens entzogen.

Für die Anschläge in Brüssel fehlen mir die Worte. Können Worte beschreiben, was da an Leid, Angst, Trauer über die Menschen gekommen ist ? Innerhalb von Sekunden wurden Leben zerstört. Auch die Überlebenden werden Traumata davontragen, die kaum behandelt werden können. Würde es uns anders gehen ?

Trotzdem glaube ich, die Sucht nach News, die Sucht nach immer gleichen Bildern, die an Voyeurismus grenzende Aufmerksamkeit kann auch als pathologisch angesehen werden. Werden die Opfer solcher entsetzlichen Anschläge wirklich mit Mitleid oder mit Sensationslust gesehen ?

Und da ist der Druck auf Journalisten zu „liefern“. Alle Medien berichten praktisch pausenlos über Ereignisse wir den gestrigen in Brüssel. Das heisst aber auch, dass es Druck in der Weise gibt, immer die allerneusten News zu liefern. Wird nicht in allen Medien das immer gleiche durchgekaut ? Wie soll man das Zappen durch alle Fernsehkanäle, durch alle Online News anders  bewerten denn als Voyeurismus ?

(Ich weiss, der Verdacht ist krass. Aber mir kommen manchmal Nutzer von Porno Seiten in den Sinn. Die Klicken auch pathologisch durch Seiten mit entsprechenden Inhalten, um immer neue Stellungen, immer mehr „Action“ zu erleben. Diese Menschen machen das im überwiegend Inkognito. Was will uns dieses Verhalten sagen ? Unrechtsbewusstsein, Scham ? Ich weiss es nicht. Aber ich denke, am Ende bleibt eine grosse Leere.)

Bleibt nicht auch bei der pathologischen Betrachtung der Bilder von Terroranschlägen, in gewisser Weise, eine grosse Leere ?

Als ich noch in Endlosschleifen gedacht und gehandelt habe, war am Ende diese Leere. Ich fragte mich, ob ich, in dieser Zeit, nicht etwas Sinnvolles hätte tun können. Aber von der Erkenntnis bis zur Aktion ist es ein weiter Weg. Inzwischen bin ich der Endlosschleifen überdrüssig geworden und schalte das Internet aus. Es reicht mir, hin und wieder, den Deutschlandfunk zu hören.