Terroristen mit Liebe begegnen ?

Margot Kässmann. Streitbar. Unbequem, Irgendwie sollte ich diese Frau mögen. Und ich mag sie trotzdem nicht. Zu selbstbezogen, in einer anderen Welt lebend. So kam mir Frau Kässmann immer wieder vor. Und doch geben ihre unbequemen Statements Stoff zum Nachdenken.

„Wir“ sollen den Terroristen also mit Liebe begegnen. Gut, es ist Ostern. Aber ist diese Erkenntnis von Frau Kässmann nicht trotzdem zu kurz gegriffen ? Wollen die Terroristen nicht gerade, und in erster Linie, unseren Hass ? Haben die Terroristen nicht umso mehr gewonnen, ja mehr Hass wir ihnen entgegenbringen?

Mir kommt der kurze Brief von Antoine Leiris in den Sinn. Dieser Mann hat, bei den Anschlägen von Paris, seine Frau, die Mutter des gemeinsamen 17-jährigen Sohnes, verloren. Der Brief ist mit den unglaublichen Worten „Meinen Hass werdet Ihr nicht bekommen“ überschrieben. Woher nimmt dieser Mann seine Stärke, die, in gewissem Sinne, auch eine Kampfansage an die Mörder seiner Frau ist.

Was mich wirklich traurig gemacht hat, sind die Statements in den Kommentarspalten der Zeitungen, zu den Worten von Frau Kässmann. Warum kann da nicht eine reflektierte Form des Schreibens Einzug halten ? Kurze, hingeworfene, aus dem Affekt geborene, Worte. Traurig, gerade für Menschen, die sich für gebildet halten.

„Bildungsfern“ hat, für mich, weniger mit dem Schulabschluss zu tun. „Bildungsfern“ sind für mich Menschen, die eben nicht autodidaktisch lernen wollen oder können. Menschen, die sich weigern, ihr Wissen zu erweitern. Letztlich Menschen, die glauben, ohne eine kognitive Reserve leben zu können. Und solche Menschen finden sich leider (!) in allen Bevölkerungsschichten und Bildungsabschlüssen und Berufen.

Also: Den Terroristen mit Liebe begegnen ? Eine Idee, die erwogen werden sollte.