Licht, Schatten und Nachrichten für die Westmauer

Manchmal muss der grenzgaenger, um den Tag zu überstehen, mehrmals täglich den Mount Everest besteigen. Das ist ziemlich anstrengend und auch irgendwie sinnlos. Einfach deshalb, weil der grenzgänger kurz vor dem Gipfel abstürzt. Also noch ein Versuch. Und noch einer. Und noch einer.

Dieser Mount Everest heisst Depression und Angst. Schon nach dem Aufstehen, und, mehr als genug, Schlaf ist der grenzgaenger so erschöpft, als würde der Schlaf jede Nacht ausfallen. Was gar keine schlechte Idee wäre. Schlafentzug hat eine antidepressive Wirkung. Aber dafür müsste der grenzgänger in eine Klinik wandern. Dazu hat der grenzgänger aber keine Lust. Soweit die schlechten Nachrichten.

Die guten Nachrichten: ich habe eine tolle Neurologin/Psychiaterin und eine tolle Hausärztin. Und eine gute Krankenversicherung. Alle (!) Menschen um mich herum versuchen ihre positive Energie einzubringen. Solche Menschen sind ein grossartiges Geschenk. Menschen, die mich belasten, sind kaum mehr da. Die trennen sich schnell oder werden schnell getrennt.

Und noch das: Mein Vater quälte sich, über mehrere Wochen, mit starken Schmerzen herum. Er konnte kaum noch sitzen oder Ausscheidungen von sich geben. Schliesslich wurde er, per Notarzt, ins Krankenhaus gebracht wo festgestellt wurde, dass die Nieren ihren Dienst quittiert haben. Eine Vergiftung des Körpers hatte schon eingesetzt. Schliesslich waren die guten Engel die ganze Nacht damit beschäftigt, dem Körper Wasser zu entziehen und die Nieren zu waschen. Es hatte am Anfang so ausgesehen, als ob eine dauernde Dialyse völlig wäre. Das hat sich als falsch herausgestellt. Baruch ha Schem. Jetzt bessern sich die Nierenwerte und die Nieren erholen sich vom Stress. Der Vater auch. Ursache des ganzen Durcheinanders ist wohl eine Vergrösserung der Prostata. Die muss wohl „geschält“ werden, um an Umfang zu verlieren. Das kann praktischerweise in der gleichen Klinik erledigt werden.

Das Verhältnis zu meinem Vater war lange sehr schlecht. Irgendwie haben wir keinen Draht mehr zueinander gefunden. Die Lebenskonzepte sind einfach zu unterschiedlich. Geld steht für mich nicht im Vordergrund, sondern ist Mittel zum Zweck. Eine sinnlose Anhäufung von Geld scheint mir nicht sinnvoll zu sein. Ausserdem nehme ich für mich in Anspruch, etwas nachhaltiger in meinem Lebensstil zu sein. Meine ganze Familie ist eher konserativ, auch was die politischen Meinungen angeht. Der grenzgänger dagegen ist eindeutig „grün“, was die politischen Meinungen und die Prioritäten angeht.

Bei Menschen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration sind die Prioritäten im Leben andere. Das Geld nicht glücklich macht, spürt man wohl erst in heftigen Lebenskrisen. Die Lebenskrise kam bei mir schneller als beim Rest der Familie.

So gibt es zwei Baustellen, aber auch gute Nachrichten. Übrigens ist es entlastend, eine Nachricht zu schreiben, die dann in die Ritzen der Westmauer gelegt wird. Habe ich eigentlich schon erzählt, das die Western Wall Heritage Foundation eine neue Website hat ? Eine wirklich grossartige Website ? Wenn Euch etwas auf dem Herzen liegt, schreibt eure Anliegen und Gebete auf. Die finden ihrem Weg zur Westmauer. Die Westmauer soll der kürzeste Weg zu G“tt sein. Ich habe die verblüffende Erfahrung gemacht, das meine Gebete erhört worden sind. Sicherlich, vielleicht ist die Westmauer nur ein Medium, an das man glauben kann oder auch nicht. Ich glaube an den kürzesten Weg zu G“d.