Laufen gegen die Angst

Leider stimmt es: Die Angst läuft und wandert mit. Auf Schritt und Tritt. Ich habe schon einige Anfälle beim Wandern überstehen müssen. Aber irgendwie ging das. Die beste Strategie um mit der Angst fertig zu werden ist weiter zu laufen. Und immer weiter. Und weiter. Ein Fuss vor den nächsten setzen. Tief einatmen und ausatmen. Sich auf den Weg konzentrieren. Versuchen, eins mit der Bewegung zu werden. Soweit die Theorie. In der Praxis funktioniert es leider nicht immer.

Eine Panikattacke bedeutet Übelkeit. Der Boden fängt an wanken. Die Landschaft dreht sich wie auf einem Riesenrad. Kann man so weiterlaufen? Manchmal funktioniert es. Meistens nicht. Dann kann ich mich nur schnell auf den Boden setzen und warten bis der Spuck aufhört. Ich weiss, dass auch diese Attacke wieder verschwinden wird. Das auch diese Attacke nicht länger als 120 Sekunden dauern wird. Aber das hilft, in der konkreten Situation, nicht weiter. Die Angst bleibt. Die Zeit dehnt sich in die Länge. Jede Sekunde wird endlos lang. Hinterher kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie lange alles gedauert hat. Oder besser gesagt: Die Zeitmessung ist ausgefallen.

Und doch spüre ich, nach dem Anfall, das ich weiterlaufen kann. Das alleine ist schon ein Glücksgefühl. Überhaupt denke ich, das Bewegung Glücksgefühle produziert. Das lindert nicht nur die Angst, sondern auch die Depression. Ich möchte Euch nicht mit den vielen Studien nerven, die zu diesem Thema geschrieben wurden. Googelt einfach und ihr werdet reich belohnt werden.

So laufe ich also weiter. Schritt für Schritt und im Wissen, das der nächste Angstschub jederzeit kommen kann. Aber ich werde stark sein und mich von der Angst nicht beherrschen lassen. Sonst habe ich verloren.