Wie sich die Zeiten ändern

Scheinbar muss es erst passieren. Nicht weit weg. Sondern in Deutschland. Direkt vor unserer Haustüre. Es braucht wohl erst Unwetter Warnungen, die genau so eintreffen.

Vor ein paar Monaten noch, glaubte nur eine Minderheit der Deutschen an einen Klimawandel. Und das, obwohl schon da alle Zeichen auf Dunkelrot standen. Aber vermutlich brauchte es noch ein paar Unwetter, bis das Bewusstsein aufwacht und die Realität nun wirklich nicht mehr verdrängen kann. In den Meldungen von heute ist zu lesen, das die grösste Sorge der Deutschen die Realität des Klimawandels ist. Ein Umdenken ? Das ist schön.

Warum ist das schön ? Weil diffuse Ängste alleine nicht weiterhelfen. Diffuse Ängste sind eher schädlich. Denn diese Ängste kommen, viel zu schnell, mit dem Gefühl einher, „doch nichts tun zu können“. Es mag ein Gefühl sein, aber viel zu oft ist die Idee „doch nichts tun zu können“, eine Ausrede, um wirklich nichts zu tun. „Was kann ich schon ändern ?“ ist auch so ein Satz, in gewisser Weise die Fortsetzung von „Ich kann doch nichts tun“. Also setze ich mich weiter auf das Sofa und lasse mich berieseln. Und die Ängste, oft auch das schlechte Gewissen, werden vor der Flimmerkiste verdrängt.

Davon abgesehen, das Verdrängung immer eine schlechte Strategie ist, könnten wie alle (auch der grenzgänger !) darüber nachdenken, wie man der Realität des Klimawandels entgegen wirken kann. Sicherlich, was wir heute tun, wird erst in Jahrzehnten eine konkrete Wirkung haben. Die heutigen Fanale des Klimawandels sind zwar Menschen gemacht, aber von einigen Generationen vor uns. Nur das Narrativ von der Notwenigkeit eines Wirtschaftswachstum lebt heute immer noch weiter. Hier kann eine Therapie des Klimawandels ansetzen. Aber erst muss die Therapie in unseren Köpfen beginnen.

Welches Wachstum ist wirklich wichtig ? Wie sieht die Realität einer Welt aus, in der es wichtig ist, immer mehr, immer schneller, immer effektiver zu kaufen – und dann schnell genug wieder zu entsorgen, um neues kaufen zu können ? Woher kommt eigentlich die Pathologie, sich mit anderen vergleichen zu müssen ? Leider schafft dieses vergleichen viel zu oft Neid. Und neid macht krank. Das gilt nicht nur für unsere Gefühlswelt.

Geht es uns wirklich besser, wenn wir, mal wieder, konsumiert haben ? Wie lange hält der Kick an ? Und wann brauchen wir den nächsten Kick ? Sind wir alle schon so auf Speed, das der nächste Kick schon auf uns warten muss ?

Nein, Angst vor dem Klimawandel ist kontraproduktiv. Die Frage ist, wie wir die Ängste in produktives Handeln verwandeln können.

Vielleicht hilft uns die Systemische Therapie dabei, umzudenken. Eigentlich kommt die Systemische Therapie aus dem Bereich der Psychotherapie. Es geht, kurz gesagt, darum, das nicht ein Mensch alleine krank ist, sondern das System mit dem Namen Familie. Gerade die Normen des Zusammenlebens sind es, die Menschen in pathogene Verhaltensweisen drängt. Um diese Verhaltensweisen zu erkennen und „umzudrehen“, gibt es ein Verfahren namens „Familientherapie“.

Was hat Systemische Therapie, was hat Familienaufstellung, mit dem Klimawandel zu tun ?

Nun, wir könnten uns fragen, ob unsere Welt, unsere Lebenswirklichkeit, wirklich gesund sind. Was sind das für Dinge, die für mich wichtig sind ? Ist mein Leben durch Konsum, durch kurzfristiges Glück, durch den Kick auf das nächste Schnäppchen, bestimmt ? Und will ich das wirklich ? Oder lasse ich mich bestimmen ? Wenn ich mich bestimmen lasse, warum eigentlich ? Das hat nichts mit Kritik zu tun. Das ist der Systemischen Therapie absolut fremd. Es geht einfach darum, durch das Erkennen pathologischer Muster, die Chance (!) zu eröffnen, neue Werte im Leben zu finden, die uns (vielleicht) glücklicher machen.

Ist es nicht wichtiger, mit Freunden zusammen zu sein als in der irrealen Welt von Facebook unterwegs zu sein ?

Ist ein Spaziergang vor der Haustüre ein besserer Weg als sich in den Stress einer weiten Urlaubsreise, die auch noch sehr teuer ist, zu stürzen ? Lohnt es sich wirklich, das ganze Jahr für eine Urlaubsreise zu sparen ? Und wie ist das ? Sind wir, ein paar Tage nach der Urlaubsreise, genau so müde und gereizt wie vorher ?

Muss wirklich immer etwas passieren ? Oder können wir nicht mal ruhig auf einer Bank sitzen ?

Nein, Angst vor dem Klimawandel zu haben, reicht alleine nicht aus. Anstatt Angst, wäre es besser, unser Leben zu hinterzufragen. Klimawandel ist etwas, das uns als Menschen fordert. In unserer Ganzheitlichkeit, um dieses abgedroschene Wort zu verwenden. (Mir fällt leider kein besseres ein.)

Und doch kann unser kleiner Beitrag gegen den Klimawandel die Welt verändern. Mein kleiner Beitrag ist es, kein Auto zu besitzen. Mit dem ÖPNV komme ich sehr gut zurecht. Nach ziemlich kurzer Zeit wird Mensch ein ÖPNV Experte.

Ach, das Auto. Ich wollte gar nicht zum Kniefall der Bundesregierung vor der Automobilindustrie schreiben. Feinstaub, Fahrverbote in den Innenstädten, Verbot von Dieselfahrzeugen. Bei diesem Thema kommt mir echt die Galle hoch. Es ist nun wirklich unbestritten, das Diesel ein Auslöser für Krebserkrankungen ist. Weltweit sterben über 100.000 Menschen an den Folgen von Dieselabgasen. Alleine in Deutschland sterben jedes Jahr Tausende Menschen durch Dieselabgase. Und diese Annahme sind eher konserativ. Es täte uns (nicht nur der Bundesregierung) gut, einen Blick nach Frankreich und Norwegen zu wagen. Warum soll in Deutschland nicht funktionieren, was in anderen Ländern Europas funktioniert ? Kann es sein, das in anderen Ländern Europas die Autolobby weniger Lobbyisten unterhält ? Oder liegt es daran, das in anderen Ländern Europas ein Umdenken in Richtung Mobilitäts-Wende (!) schon längst stattgefunden hat ?

Da haben wir übrigens ein gutes Beispiel dafür, das jeder einzelne Mensch etwas ändern kann. Warum eigentlich ist die Nachfrage nach Mobilität jenseits des Individualverkehrs so gering ? Und warum werden noch Autos verkauft, die nachweislich Krebserregend sind ?

Ich weiss. Ganz viele Worte zum Klimawandel.

Wann fangen wir an, die Welt zu verändern ?

Alle ?

2 Überschriften

NTV berichtet, das der Grossmufti von Jerusalem festgenommen worden ist. In kleiner Schrift, wenn sie auch Rot ist, findet sich der Hinweis, das es vorher „eine tödliche Polizistenattacke“ gegeben hat.

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Ausgerechnet Arutz Sheva berichtet, das die beiden getöteten Soldaten Drusen waren. Diese Kleinigkeit ist nicht unwichtig, denn Drusen sind bekannterweise keine Juden. Da hätte die deutsche Presse, und mit ihr die Öffentlichkeit, doch wirklich einen Grund zu kollektiver Trauer, oder ?

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Wären die beiden getöteten Soldaten Juden, könnte schon mal der Sekt kaltgestellt werden. Nun ist nix mit Feiern. Immer diese Israelis. Für nix zu haben. Böse, Böse.

Das hier sind übrigens die beiden getöteten Soldaten.

Satawi, 30, lives in the northern Druze town of Maghar, served his mandatory service in the Border Police and became a career patrol officer in the Temple Mount Unit. He left behind his wife (Arin) and a three-week-old son, as well as his parents and three siblings.

Shanaan, 22, lives in the northern Druze town of Hurfeish, and has served as a career police officer since his enlistment seven months ago as a patrol officer on the Temple Mount and in the Old City’s police unit. He is the son of former Labor party member Shachiv Shanaan. He left behind one brother and three sisters.

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Aber wen interessiert das schon ? Die Hauptperson der Geschichte ist der Grossmufti von Jerusalem, der natürlich schnell wieder freigelassen werden muss. Sonst kommen die deutschen Freiheitskämpfer und befreien ihren Grossmufti, Jawohl ! Mit Grossmufti’s kennt man schliesslich aus. 

Ist es das wert ?

Mein Vater liegt, wieder einmal, im Krankenhaus. Inzwischen musste ihm ein Stoma und ein Dauerkatheter für Urin gelegt werden. Zu allem Überfluss hat er sich auch noch einen Krankenhauskeim eingehandelt, gegen den sich Antibiotika bisher als resistent erwiesen haben. Heute wurden die Antibiotika umgestellt, allerdings meinte der behandelnde Arzt, das man bisher, was die genaue Bestimmung des Keimes angeht, noch im Dunkeln tappen würde.

Mein Vater ist seit einiger Zeit Krebspatient.  Es hiess vor einigen Wochen, der Krebs sei „nicht mehr vorhanden“, mein Vater könnte als geheilt angesehen werden.

Heute nun kam die Nachricht, das sich der Krebs in die Leber und den Magen verlagert hat. Wie weit dieser Krebs gestreut hat, müssten weitere Untersuchungen ergeben.

Nun geht also die Angst, die Unsicherheit, das Bangen wieder los. Und das bei einem Patienten, der 81 Jahre alt ist und dazu noch geschwächt von den ganzen Behandlungen.

Bis vor 2 Jahren war mein Vater noch völlig gesund, das heisst: Er hatte keine Schmerzen oder sonstige Formen von Unwohlsein. Und dann ging das Drama los.

(Auch für die Familie ist das eine schwierige Situation. Aber das nur am Rande.)

Ich weiss nicht, wie ich in dieser Situation handeln würde. Aber ich glaube nicht, dass ich diese ganzen Strapazen auf mich nehmen würde. Dieses Wechselbad der Gefühle und die Angst vor der nächsten Nachsorge Untersuchung. Und immer wieder Hiobsbotschaften wie die heutige.

Ist es das wert ?

Für mich (und nur für mich !) würde die Antwort „Nein !“ lauten. Leben ist ein wertvolles Gut, wahrscheinlich das wertvollste. Aber ich würde mein Leben nicht um jeden Preis verlängern wollen. Ich habe, im Hospiz und im Freundeskreis, einige Leben enden sehen. Oft waren es wirklich Erlösungen. So etwas kann man im Gesicht sehen. Da entspannt sich, in vielen Fällen, ganz viel. Vor allem, wenn „alles geregelt“ ist und ein Mensch nun gehen darf.

Viele dieser Menschen haben schwere Schicksale, Kämpfe, das ganze Auf und Ab unserer medizinischen Praxis hinter sich bringen müssen.

Und doch ist die Sache beim eigenen Vater anders. Da ist es schwer „professionelle Ferne“ zu gewinnen. Deshalb möchte ich auch, dass die Begleitung, wenn es nötig wird, von einer neutralen Person durchgeführt wird.

Mein Vater hat sich, das ist mein Gefühl, für weitere Therapien entscheiden. Natürlich akzeptiere ich seine Entscheidung. Es ist sein Leben.

Aber für mein Leben wäre die Frage: „Ist es das wert ?“ zu einer anderen Antwort gekommen.

Eine Stimme zur Wahl in NRW

Dieses kleine Zettelchen ist mir heute vor die Linse gekommen. Ich bin viel zu Fuss und nur mit dem ÖPNV unterwegs, weil ich Autos aus Prinzip boykottiere. Diese Steh-Zeuge sind nicht nur laut und dreckig, sie versiegeln auch Fläche, die ganz anders genutzt werden könnte. Diese Steh-Zeuge sind schlicht überflüssig, wenn der Mensch in einem Ballungsgebiet lebt. Auf dem platten Land sieht das leider (noch) völlig anders aus.

Was ich, gerade beim Laufen, immer wieder toll finde, ist, das einem, meistens ganz zufällig, Kleinigkeiten auffallen, die Mensch sonst übersehen hätte.

Dieses Zettelchen ist so eine Kleinigkeit.

Muss ich noch betonen, das mir dieses Zettelchen aus der Seele spricht ?

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Watte im Kopf

Es war lange, zu lange, ruhig auf diesem Weblog. Das liegt einfach daran, das dem grenzgaenger keine vernünftige Zeile auf der Tastatur gelungen ist.

Auf einem Seminar habe ich gelernt, dass dieser Zustand den Namen „Watte im Kopf“ trägt. Diese Watte ist so wenig spezifisch, das sie sich genau so viel oder genau so wenig beschreiben lässt.

Ein Anzeichen dieser „Watte im Kopf“ ist, das zwischen dem Selbst und der Umgebung nicht mehr so richtig zu unterscheiden ist. „Depersonalisierung“ nennt das die Fachkunde. Irgendwie trifft es dieser Begriff insofern, als die eigene Person, wie schon geschrieben, nicht mehr definierbar ist und deshalb mit der Aussenwelt, in gewisser Weise, verschmilzt. Sozusagen eine Kernschmelze im Kopf. Diese Kernschmelze spürt der grenzgänger, erst einmal, in sich selbst. Die Aussenwelt nimmt, erst einmal, keine Notiz von der Kernschmelze. Dann allerdings kehrt die Kernschmelze nach aussen. Nicht in Form einer Aggression. (Das gibt es wohl auch). Aber beim grenzgänger ist es wohl so, dass eine totale Hilflosigkeit eintritt. Der grenzgaenger steht dann in einem Geschäft und weiss nicht mehr so Recht, was er da macht. Und manchmal weiss der grenzgänger auch nicht mehr so Recht, wo er ist. Das kommt, zum Beispiel, in solchen Kleinigkeiten wie der Unfähigkeit zum Ausdruck, etwas Sinnvolles mit dem Einkaufswagen zu tun. Da steht der grenzgänger dann einfach im Weg und weiss nicht wohin. Da steht der grenzgänger dann, mitten im Supermarkt, und weiss nicht mehr, wo denn nun die Kasse ist.

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Spätestens, wenn die Sache mit dem Einkaufswagen und/oder der Kasse geschieht, fragt jemand, ob es dem grenzgänger gut geht, oder ob er (oder sie) irgendwie helfen kann. Nein, der grenzgänger hat noch keine „schlechte“ Reaktion erfahren.

Was in der Depression wirklich ein schlimmer Fehler ist, heisst: Vermeidungsverhalten. Je mehr Vermeidung, desto mehr übernimmt die Depression (und damit fast immer verbunden: die Angst) das Ruder. Und so wird die Spirale immer schneller und der Aussenbereich immer kleiner.

Und doch vermeidet der grenzgänger. Zum Beispiel, in zunehmenden Masse: Supermärkte. Irgendwie ist Einkaufen ziemlich anstrengend (geworden).

Es gibt viele kleine Geschäfte. Da gibt es keine Einkaufswagen, keine langen Wege, keine Kassen. Dort kennt man mich und weiss, was los ist, wenn die Depersonalisierung wiedereinsetzt. Dann findet sich immer jemand, der den grenzgänger nach Hause oder ins Krankenhaus fährt.

Solche Phasen kamen, in den letzten Wochen, öfters vor. Und in solchen Phasen bringe ich keine vernünftige Zeile mehr auf die Tastatur. Deshalb war es beim grenzgänger so ruhig. Nun hat sich die Watte im Kopf etwas gelichtet. Und so ist, vielleicht/hoffentlich, in Zukunft wieder mehr zu lesen.

Gedanken zu den Ereignissen in Düsseldorf

Und wieder einmal ein physisch kranker Einzeltäter. Diesmal am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Diesmal die Linie S 28. Danach das Gleis 13 des Düsseldorfer Hauptbahnhofes. Ein „kranker Mann“ mit einer Axt. Die Axt schlägt auf wehrlose Menschen ein. Irgendwie kennen wir das schon aus der islamistischen Szene.

Ich kenne die S 28 und das Gleis 13 am Düsseldorfer Hauptbahnhof sehr gut. Ich fahre sehr oft mit der Regiobahn. Saubere, sehr pünktliche Bahnen. Und bisher auch sichere Bahnen. Zumindest der letztere scheint jetzt vorbei zu sein. Auch wenn es sich um einen physisch „kranken Mann“ handelt, bleiben die Bilder im Kopf.

Ja, auch hätte zu diesem Zeitpunkt in der S 28 sitzen können. Noch zwei Stunden vorher war ich auf dieser Strecke unterwegs. Doch diese persönliche Betroffenheit ist alleine mein Problem.

Was nicht mein Problem ist: mit Taten wie diesen, mit der „Entschuldigung“, der Mann sei ja „physisch krank“ gewesen, wird versucht, eine Entlastung oder gar Entschuldigung für solche Verbrecher zu suchen. Nein, es sind keine „verrückten Einzeltäter“, es sind Verbrecher, die eine harte Strafe verdient haben. Punkt.

Ich denke, dies schreiben zu dürfen, denn ich habe selbst Angstzustände und eine Depression. Und Millionen anderer Menschen mit mir. Und genau das macht mich so wütend. Nur, weil ich physisch krank bin, will ich mit solchen Individuen nicht in einen Topf geworfen werden. Mit Fällen wie diesen, mit Verbrechern wie (auch) dem Mann in Düsseldorf, werden alle Menschen, die unter physischen Erkrankungen leiden, miterkannt. Viele Menschen, die unter physischen Erkrankungen leiden, sind ohnehin mit einer dünneren „Schutzschicht“ gegenüber Vorurteilen, abwertenden Geste, abwertenden Worten, ausgestattet.

Umso heftiger Treffen treffen solche Menschen, und ich gehöre auch zu diesen Menschen, Berichterstattungen wie die gegenwärtige, in denen als Erklärung für die Tat am Düsseldorfer Hauptbahnhof eben diese Erkrankungen angeführt werden.

Nochmal: Der Täter ist ein (wenn auch gestörter) Verbrecher. Es gibt für die Taten am Düsseldorfer Hauptbahnhof keine Entschuldigung. Erst recht gibt es keine Entschuldigung, die aus den Krankheitsbildern des Täters konstruiert werden. Krankheit, egal ob physisch oder nicht, kann Verbrechen nicht entschuldigen. Vielleicht dienen Krankheitsbilder als Erklärung. Krankheitsbilder können aber keine Verbrechen entschuldigen.

Es ist natürlich, in unsere wahnsinnig schnellen, Medienwelt „wichtig“ möglichst schnelle Meldungen zu produzieren. Ob diese Meldungen stimmen oder nicht, ist da zweitrangig. Ich glaube nicht, dass unsere Medien bewusst Unwahrheiten produzieren. Aber es geht nicht darum, Meldungen zu überprüfen, bevor diese in die Welt gesetzt werden. Schnelligkeit geht eben vor Recherche. Und die Konsumenten machen freudig mit. Vielleicht auch, ohne die Folgen dieses Tempos zu bedenken.

Was mir fehlt, ist ein Medienecho für die wirklich Betroffenen: auch wenn die Opfer nur „leicht verletzt“ sind, wird ihr Leben nie mehr so sein, wie vorher. Auch darüber könnte berichtet werden. Aber dieser Aspekt ist wohl nicht gut zu verkaufen. Dieser Aspekt ist nicht spektakulär genug. In welcher (Medien) Welt leben wir ? Und wollen wir diese Welt wirklich ?