Kerpen Manheim – Eine tote Stadt.

Es war einmal eine Stadt. Die hatte den Namen Kerpen-Manheim. Eine Stadt wie so viele im Einzugsgebiet der RWE Kohleabbaugebiete. Garzweiler 1+2 und das Hambacher Forst sind nur drei Beispiele von vielen.

Was ist der Eindruck, wenn ich durch die Stadt geht ? Die Atmosphäre lässt sich schwer in Worte fassen. Es ist bedrückend, traurig, irgendwie auch gespenstisch. Hinter den Fassaden, hinter den heruntergelassenen Rolladen lebten einmal Menschen. Die sind jetzt “umgesiedelt” oder besser: vertrieben. Vertrieben von RWE, das um jeden Preis eine Technologie fördern will, die nicht nur veraltet ist, sondern auch, in vorderster Reihe, für den Klimawandel verantwortlich ist. Von Generationengerechtigkeit hat RWE wohl noch nie etwas gehört. Von Gerechtigkeit gegenüber der Mitwelt, die am allerwenigsten für den Klimawandel verantwortlich ist, dafür aber die grössten Lasten zu tragen hat, hat RWE sicherlich gehört. Aber moralische Werte passen eben nicht ins Geschäftskonzept.

So wird also weiter gebaggert und Menschen verlieren ihre Heimat. Die werden dann “umgesiedelt”. Als ob das ein Ersatz für Heimat wäre.

Und da ist eine Kirche, die vernichtet werden soll. Es ist eine schöne Kirche – von aussen.

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In die Kirche kann ich leider nicht gehen. Sie ist verschlossen. Es zwitschern Vögel, die Kirche ist von grün umgeben. Auf der Hinterseite befinden sich einige Gräber von Ordensschwestern. Die Kirche war früher einmal ein Treffpunkt, ein sozialer Mittelpunkt des Ortes. Wenn ich mir das Gebäude anschaue, höre ich noch die Kirchenglocken läuten. Jetzt ist da nur Stille. Tod. Auch diese Kirche soll abgerissen werden. Wie der Immenrather Dom. Erinnert ihr Euch ? Ich war ein paar Monate vor der Vernichtung des Domes am Ort. Ich habe mir nicht vorstellen können, das dieser prächtige Bau, der weit über das Kohlerevier hinaus bekannt war, verschwinden soll. Nun ist auch dieses Gotteshaus Geschichte.

Und da ist ein Wald. Der Hambacher Forst. Schon ein kleiner Spaziergang genügt um zu verstehen, welcher Verlust es wäre, wenn dieser Wald den Baggern zum Opfer fallen würde.

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Und da gibt es Menschen, die den Wald beschützen. Auch Demokratie von unten wächst in dieser Zeit. Und da ist ein Waldcamp mit Menschen, die nicht immer freundlich sind. Die mit aussergesetzlichen Mitteln versuchen, den Hambacher Forst zu retten. Auch das ist Realität. Aber sind wenige gewaltbereite Menschen ein Argument dafür, den Widerstand aufzugeben ? Wenn ich am Waldrand stehe, kann ich in die Weite sehen. Die Weite ? Eine Menschen gemachte Wüste.

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Überall totes Land. Ich kann diesen Anblick nicht in Worte fassen. Abbau. Zerstörung. Und da war einmal ein Wald. Zerstört durch die Bagger von RWE. “Im Sinne der Allgemeinheit” ? Ist es der Wunsch einer Allgemeinheit Wälder zu vernichten und das Weltklima aufzuheizen ? Ich hoffe, das ist nicht so. Sonst wäre das Leben hier noch aussichtsloser.

Der Widerstand im Hambacher Forst geht weiter. Es ist vieles verloren. Aber noch nicht alles.

Die Stadt, der Wald.

Noch.